Seit März 2026 ist im Internet die Kartei der NSDAP-Mitglieder leicht enzusehen, vgl. Übersicht dazu bei Familia Austria.
Im „Deutschen Reich“ gab es im Jahr 1944 etwa 8,5 Millionen Mitglieder der NSDAP. Dies entsprach, bezogen auf die Gesamtbevölkerung, schätzungsweise etwa 10 bis 11 %. Bezogen auf die erwachsene Bevölkerung waren somit etwa 20%, also etwa jeder fünfte Deutsche, ein/e PG= Parteigenosse/in, wobei, über die „Alten Kämpfer“ von 1923 hinaus, später die Mitgliedschaft oft Opportunismus oder Karrieregründen geschuldet war.
Im Sudetenland gab es bis 1945 etwa 528.000 Beitritte, bei 3,1 Mill. Sudetendeutschen 17 %, bezogen auf die erwachsene Bevölkerung ca. 25%, also mehr als im „Alt-“ Reich aber weniger als oft vermutet, denn die Mitglieder der aufgelösten Sudtendeutschen Partei SdP rutschten nicht automatisch in die NSDAP.
Die Suche nach Honal in den NSDAP-Mitgliedskarteien brachte zwei mir bisher unbekannte Personen mit dem Namen Anna Honal (*1878-12-31 in Wien) und Fritz Honal (*als Martin Luis Fritz Honal am 19.11.1914 in OT Porbitz der Solestadt Bad Dürrenberg, bei Leipzig).
Die Herkunft des „Studenten“ Fritz Honal *1914 konnte durch Forschungsunterlagen des „Geheimen Preußischen Staatsarchivs Berlin“ geklärt werden: der Vater ist Ladislaus Honal, geb. 16. Dezember 1889 in Rokitzan, Böhmen, seine Mutter ist Elise Honal geb. Kokel, geb. am 4. März 1894 im Ortsteil Ostrau von Bad Dürrenberg.
Der Vater Ladislaus Honal war 1939 Kaufmann und Drogist in der Merseburger Str. 1 (Bad Dürrenberg) und wohnte nach dem Verzeichnis von 1940, wie Fritz Honal, in der Masurenstraße 2.
Nach dem Taufbuch von Rokitzan / Rokycany 1878-1894 ist Ladislaus am *16.Dez.1889 in Rokitzan #60 geboren als Sohn von Martin Honal (*1849-07-10) in Kornatitz / Kornatice #9 und dessen Ehefrau Elisabeth geborene Lindauer. In Kornatitz / Kornatice #9 bei Pilsen /Plzeň gibt es zahlreiche Honals, die über Josef, Mathes II, Mathes I, und Franz bis zu Lorenz Honal (1597 – 1680), dem Bruder meines direkten Vorfahren (10 Generationen) Martin Honal (1610 – 1680) zurückzuführen sind. Also gehört auch dieser entdeckte Fritz Honal zu dem Honal-Zweig aus Kornatitz bei Pilsen.
Ganz anders ist die Lage bei Anna Honal, denn die in der in der Münchner Parteizentrale abgetippte Karte der Zentralkartei enthält einen gravierenden Tippfehler. Das hätte eigentlich bemerkt werden können, denn Annas Ehemann Raimund war auch NSDAP-Mitglied und hatte im Lambach im Bezirk Oberösterreich ( = Gau Oberdonau) genau die gleiche Hausadresse wie Anna, nämlich Adolf-Hitler-Platz 16. In der Vorlage war das d bei Anna Hondl arg kurz geschrieben, noch kürzer als das d im Straßenname Adolf, was aber die Entdeckung des wirklichen Namens Hondl der Anna erleichterte. Dafür bedanke ich mich herzlich bei Maria Hollig, die den Übertragungs-Fehler bemerkte und mir korrekte Unterlagen übermittelte! Die Mitgliedskarte des Raimund Hondl aus Olmütz ist mein Beleg für den Fehler.


Der Großvater Konstantin von Raimund Hondl könnte aus Sobiesuk / Soběsuky ca. 40 km südlich von Olmütz / Olomouc in Mähren stammen und wird als Hon/Hondl aufgezeichnet, wohl weil dessen Vorfahren sich Hon schrieben. Hon heißt im Tschechischen Jagd, aber auch Hetze, Eile; ob das dl im schlesisch-mährischem Dialektraum ein Verkleinerungs-Anhang ist, so wie im Deutschen das l (für -lein) z. B. bei Stückl zu Stück?

