Patzak – Pacák – Bildhauer

(Erste Materialsammlung- 2013 zum Patzak-Pacák-Buch)

 

1. Lebensfreude und Pracht aus der Asche des Krieges

Prager_fenstersturz Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648),   ein mit dem Prager Fenstersturz ausgelöster Machtkampf verschiedener  Herrscherhäuser Europas und zugleich ein Religionskrieg, brachte Gräuel, massenhaften Tod und weitflächige Zerstörung auch in den Norden und Osten Böhmens.
Angst vor dem Tod und Erleben der Vergänglichkeit prägten die Gefühle dieser Zeit.  Daraus erwuchsen aber auch dem entgegenwirkende Einstellungen: Weltbejahung und Jenseitshoffnung, Daseinsfreude und Erlösungssehnsucht. Lebenshunger und Genussstreben.
Die Kunstepoche des europäischen Barocks (ca 1575 bis ca. 1770) bringt diese Gegensätze zum Ausdruck, sprengt die ruhenden, ausgewogenen Formen der Renaissance, erfasst auch die Provinz abseits der Hauptstädte,  auch durch die hervorragenden Bildhauer Patzak (č: Pacák).

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In und auch zwischen vielen Orten Ostböhmens und Mährens stehen ihre Werke. Europaweit einmalig finden sich diese  Barockfiguren nicht nur in und vor Palästen und Kirchen sondern oft in die Landschaft eingebettet.  Gerade darin, in der Verbindung von Landschaft und Barockkunst,  zeigt sich die Meisterleistung der in Böhmen einheimischen Künstler, wie es die Patzaks waren.  Typisch für den Barock:  Früher eher unübliche Bewegungen der Figuren im Raum, bewegte Mimik und starke Gebärden, die nun, anders als in der Renaissance,  auch Gefühle und Geist ausdrücken, geben den Statuen eine besondere Lebendigkeit und Ausdrucksstärke, auch Zeichen der erweckten Lebensfreude.

Sie sind heute wieder bewunderte Glanzstücke in der Landschaft Tschechiens. Dazu trug auch die wichtige Kampagne  „Barockskulptur in der Landschaft“ der Nationalen Denkmalbehörde Tschechiens (NPU) bei,  die  2009 und 2011 durchgeführt wurde.  Die Presse urteilte dazu:  „Die Häufigkeit der Barockskulptur und ihr künstlerischer Wert im tschechischen Becken sind einzigartig in Europa.“  Český rozhlas, der öffentlich-rechtliche Hörfunk der Tschechischen Republik, berichtete ausführlich am 3. April 2011 mit der Schlagzeile:  „Rettungsmaßnahmen für die Barockstatuen in der Tschechischen Republik.“

Auch eine mit MDCCXXIX (1729) beschriftete, mit „G.F.P.“, also von Georg F. Patzak, signierte  Figur des Hl. Johann Nepomuk tauchte dabei in Dobschenitz bei Königgrätz  in einem Acker auf.  Der Fotograf  Petr Arijčuk  hat 2011  dort eine Serie zu dieser Statue von 1729 gestaltet, die auch Details  der Figur zeigt.Viele andere Figuren haben noch ungeklärte Schöpfer, die meisten brauchen  dringend eine Restaurierung. (Wegen der Gefährdung durch Diebstahl und Vandalismus ist diese Figur nun aber wieder aus der Landschaft verschwunden und am Kirchengrundstück, in einem Holzumbau geschützt, untergebracht. )

Blumengaertlein_Barock_215

Zeichen der erweckten Lebensfreude zeigten auch die Barockmusik und Barocklyrik, zum Beispiel im böhmischen „Neu eröffneten Blumengärtlein“ (Johann Christoph Kridel, 1707, Nordböhmen) das  „sechs, das ganze Jahr durch blühende, musikalische Blumen“ zeigt mit Texten wie diesem aus dem Lied „Mein Jesus mich vergnügt“:

 

Wenn ich nur Jesum hab/
so bin ich schon vergnügt; in Ihm hab ich alles/
und wenn ich Ihn nicht hab/ so fehlt mir alles.
Wenn es ja muß seyn gestritten / wird mich Jesus  doch behüten/
und niemalem  von  dem Feind
schändlich lassen überwinden/ sondern seine Hülf empfinden/
weil er es mit mir wohl meint.

Das „Blumengärtchen“ ist z. Zt. bei Šimon Matoušek ( Firmensitz in Prag)  auf CD erhältlich.

Edmund Wilhelm Braun (1932 – 1934  Prof. für Kunstgeschichte an der Karl-Ferdinands-Universität Prag) schreibt 1938 über die Figuren im Hochbarock:

Madonna01_Patzak_o14„Sie gehören in die Reihe jener schönen, stolzen Frauengestalten, die seit etwa dem ersten Jahrzehnt des 18. Jh. … erscheinen, weibliche Heilige und Madonnen von beinahe weltlichem Gepräge. Alles ist an diesen beiden Figuren in Bewegung. Die Frontalstellung wird vermieden, die ganze Gestalt schwingt in meisterhaft empfundenem Kontrapunkt. Diese Frauen sind rassig und schlank, dabei aber auch füllig. Reiche Gewänder in wallender Faltenfülle schwingen sich um die Körper. Wundervoll sind die fein modellierten, zierlichen, reizvoll behandelten Hände in ihrer starken Ausdruckskraft. Die Köpfe sind gleichfalls von höchster Anmut, die Züge eindringlich belebt. Kleine volle Münder, feine, lange, gerade Nasen und etwas schwere Augendeckel vervollständigen den Eindruck höchster Lebendigkeit.“

(zit. nach Miloš Stehlík: „Heinz, Pacák, Thény, Rohrbach nebo Tischler?“ 1982;  Bild links:  Hl. Maria Immaculata aus der St. Anna-Kirche in Schurz (č: Žireč) , Georg F. Patzak, auf dem Prospekt des und im  Museum  für Barockskulpturen in Chrudim, Region  Pardubitz , č: Pardubice)

 

[ 2. Barock – europäisch und völkerverständigend

Kriegsfolgen überwinden führt europaweit zusammen – Soldaten mit verschiedenen Sprachen bleiben in Böhmen;  Künstler wandern quer durch Europa, Fürsten holen sie auch nach Böhmen.

Barock –  das ist die letzte, ganzheitlich Dichtung, Musik, Malerei, Architektur  und  Bildhauerei umfassende europäische Kunstbewegung. Ihren Ursprung hatte sie in Italien.

Barock – er trug  als europäische Kunst auch zur Verständigung der Völker bei. Er  ist nämlich weder, wie es manchmal volkstümlich/dümmlich heißt,  eine Erfindung und auch kein Mittel der Gegenreformation, denn auch  Lutheraner, Hussiten und andere Protestanten verwendeten zum Lob Gottes die Kunst des Barocks. Berühmte böhmische Fürsten schmückten, durchaus nicht von der Kirche dazu angestiftet,  ihre Gärten und Palais mit Barockfiguren, heute noch z. B. am Palais Clam-Gallas in Prag mit Figuren M. B. Brauns zu sehen. Selbst der kirchenkritische Graf Franz Anton von Sporck (1662-1738),öfter im Streit mit den Jesuiten im benachbartem Schurz,   schuf im ostböhmischen Kukus (č: Kuks) eine Insel der Barockkunst, die auch Josef und/oder Georg Patzak bei den berühmten Figuren der Tugenden und Lastern, in der Front vor dem Hospital,  mit gestalten konnte.

Der böhmische Barockbildhaurei  knüpfte an die italienische Barockplastik des Giano Lorenzo Bernini an, dessen Vorbild das Werk Michelangelos war.  (Ausführlicher bei Swoboda, Karl M: Barock und Gegenreformation). Die Arbeitsweise der Barock-Werkstatt des Bernini hat M. B. Braun nach Böhmen  übertragen; wie sonst hätten so viele Aufträge in so kurzer Zeit bewältigt werden können?

Dazu kamen Künstler und Handwerker aus Italien, Schlesien und Deutschland nach Böhmen. Die Werkstätten der Barock-Bildhauer brachten Kunstwerke in alle Ecken und Winkel Böhmens und Mährens. In dieser ungewöhnlich breiten Verteilung bei hoher Qualität  entstand eine rein böhmische Barocklandschaft, in der weder Statuen, Kirchen, Klöster, Kreuze,  Mariensäulen, Wallfahrtskirchen, noch Kapellen fehlten.

Leibeigener Untertan  oder freier Herrscher – das war für das Wohlbefinden der Menschen in Europa zur Barockzeit  ein viel wichtiger Unterschied als die von ihnen benützte Sprache: lateinisch, italienisch, deutsch, tschechisch oder mährisch. Außerdem: Sprache war in der Barockzeit nicht die Nation – es ist ein Denkfehler, diesen auch heute gängigen Begriff  „Nation“ des 19. und 20. in das 17. und 18.  Jahrhundert zurück zu projizieren.  Die Patzaks waren weder Deutsche noch Tschechen. Sie waren Böhmen, die deutsch und auch tschechisch sprachen.  Deutsch  in der Zusammenarbeit mit dem Tiroler M. B. Braun, mit den Jesuiten aus Wien, zuhause und in den eigenen Werkstätten, denn Schaller (Topographie 1790) schreibt „der gemeine Landmann spricht  hier mehrenteils deutsch“.  Tschechisch beherrschten die Patzaks als weitere Umgangs- und Verwaltungssprache, auch gegenüber tschechisch sprechenden  kirchlichen und weltlichen Herren. Und: sie trugen einen tschechischen Familiennamen aber sie pflegten die deutschen Vornamen, denn Georg F. Patzak signierte z. B. 1729 auf der Johannes Nepomuk Statue in Dobschenitz mit „G.F.P.“, nicht mit  „J. F. P.“ – sie waren eben nicht Tschechen oder Deutsche sondern – völkerverbindend – Böhmen. Das Tschechische kann diese Differenzierung allerdings nicht wiedergeben, da es für „Böhme“  und „Tscheche“ nur das einzige Wort „Čech“  hat.

Das böhmische Volk ansprechende barocke Skulpturen auf öffentlichen Plätzen, die Pracht der Barockkirchen – daran konnten sich nicht nur die Freien, also Pröpste, Grafen, Barone, Fürsten und ihr Hofgefolge  sondern auch die unfreien Untertanen, also die abhängigen leibeigenen Bauern, Häusler, Händler, Handwerker und  Gehilfen (ca. 95% der Bevölkerung waren unfrei)  zumindest an Sonn- und kirchlichen Feiertagen ( 70 gab es damals in Böhmen)  erfreuen.

Beispiel zur Situation der Untertanen: Freistellung des Georg Patzak  1707 bei seiner Hochzeit in der Mariahilfkirche in Chlumek aus der Leibeigenschaft.

In dieser Mariahilfkirche in Chlumek bei Lusche (č: Panny Marie Pomocnice na Chlumku u Luže) hat Georg F. Patzak von 1702 bis 1715 als Holzschnitzer gearbeitet,  bevor er als Bildhauer in die Werkstatt Matthias Bernhard Brauns wechselte.

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Marihilfkirche_Chlumek-b-Lusche_215_k
Josef Tejkl hat zwischen 1981 und 1988 dort  Werke von Georg F. Patzak identifiziert, die bis dahin unbekannt waren. (Josef Tejkl, Nové poznatky o vztahu Braunovy dílny k sochařské tvorbě ve východních Čechách,  Praha 1988).

 

3. Die Werkstatt des Matthias Bernhard Braun

Lehrmeister der Patzaks, des Josef (?) und des Georg F. Patzak aus Schurz (č: Žireč) und später evtl. des Franz Patzak, war Matthias Bernhard Braun. (č: Matyáš Bernard Braun; 1684 – 1738).
Er kam aus einer Tiroler Familie, in der bereits künstlerisch gearbeitet wurde und die Matthias Bernhard früh förderten. In Rom lernte er die Arbeitsweise Berninis kennen. Sein  nachhaltiger Erfolg in Böhmen basiert auf seinen  Arbeiten in Prag (z. B. Hl. Luitgard  1710 auf der Karlsbrücke) und denen für den wohlhabenden Grafen Franz Anton von Sporck, den Braun schon in Bozen kennengelernt hatte. Die Werke in Kukus gehören zu den bedeutendsten Werken Brauns,  2002  zum Nationales Kulturdenkmal der Tschechischen Republik erklärt. Seit  2001 wird außerdem das Patronat als UNESCO-Kulturerbe  für die  Anlage in Bethlehem (s.u.) vorbereitet. Die Restaurierung wird von der EU massiv gefördert. Ab  2016 wird die bildhauerische Ausgestaltung des Sporckschen Landsitzes Kukus  (č: Kuks) mit vielen allegorischen Skulpturen wieder in der früheren Pracht erstrahlen.

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Graf Sporck  hatte die Absicht, einen Kurort auf höchstem Niveau zu schaffen. Voraussetzung dafür waren die vorhandenen Mineralquellen vor Ort. Bis 1740 (verheerendes Hochwasser der Elbe). war Kukus auch ein bedeutendes gesellschaftliches, kulturelles und geistiges Zentrum. „Bach, Vivaldi und die Crème des europäischen Adels sollen hier ein und aus gegangen sein  …  Sogar der österreichische Kaiser Karl VI. erholte seine müden Knochen hier und lauschte venezianischen Opern.“ (ZEIT-Archiv  43 / 2001). Auf Sporcks Künstlerliste wurde nun auch G. F. Patzak entdeckt.

Heute steht dort nur noch,  auf der rechten, südwestlichen Seite der Elbe, das Hospital Kukus , das Schloss am Gegenhang wurde 1901 abgerissen.

Zum Hospital der Barmherzigen Brüder gehörte die Dreifaltigkeitskirche. Die Kirchenfront zeigt den  berühmten allegorischen Zyklus der zwölf Laster und der zwölf  Tugenden, die Matthias Bernhard Braun als Frauengestalten konzipierte und zusammen mit seiner Werkstatt  schuf.
KUkus-Vielfrass_MBBruan_482_o14Der Engel des beklagenswerten Todes führt, mit der Hand vor dem Gesicht, die Reihe der Laster an;  darunter die Völlerei (siehe Bild – diese Statue ordnet E Poche in seinem Werk über M.B. Braun – S. 106 – aus stilistischen Gründen, wie neun weitere Figuren, eindeutig dem Künstler Georg F. Patzak zu): Haarkranz aus Weinreben, Schwein.

Die Braun-Werkstatt gestaltete 1712-1715 auch am Rand der Terrasse vor der Dreifaltigkeitskirche die Skulpturen der acht Seligkeiten aus der Bergpredigt:

Bei einer solchen Fülle von Arbeiten musste M. B. Braun, wie das damals üblich war, mehrere Mit-Künstler, Kollegen oder Schüler, in einer sog. Werkstatt vereinen. Damit ging einher, dass sich die Autorenschaft verwischte und später erst durch nicht immer sichere Stilanalysen ermittelt werden konnte. Erschwert werden diese Analysen und damit die Zuordnung zu bestimmten Künstlern durch nicht immer werkgerechte Restaurierungen.

An den Steinmetzarbeiten war z. B.  an seinem Lebensende der Prager Hofbildhauer Giovanni Pietro della Torre (1660- 1711) beteiligt. Es gilt als sicher, dass auch Patzak an diesen Skulpturen mitgewirkt hat (Kořán Ivo:  Lomivý charakter baroka v Čechách a jeho chvála , 2008).
Chronos_Pacak_MBBraun_1740_Liebtschan_215
Der Kunsthistoriker Martin Pavlíček berichtet 2011 im Aufsatz „POPVLVM RELIGIONE TVETVR. Několik poznámek k dílu Matyáše Bernarda Brauna v Kuksu“,  dass mindestens Teile der Chronos-Statue in Liebtschan (č: Libčany, 10 km westlich von Königgrätz, č: Hradec Králove), die bisher als Werk M. B. Brauns galt, die aber erst 1740 , zwei Jahre nach dessen Tod,   fertiggestellt wurde, von seinem Schüler und Nachfolger Franz Patzak, dem  Sohn Georg F. Patzaks stammen.

Nur 4 km entfernt von  Kukus liegt Schurz, der Heimatort des früher viel gerühmten, jetzt eher unsicherem Josef Patzaks und seiner Verwandeten Georg  (bei ihm gibt es möglicherweise als Vater den Matthias Patzak) und  Franz, den Sohn Georgs. In Schurz hatte Josef Patzak eine Bildhauer-Werkstatt.
Noch näher bei Schurz liegt in einem Buchenwald die Andachtsstätte „Bethlehem“  (č: Betlém), eine Skulpturengruppe, die teilweise als aus den Felsenwänden gehauene Reliefs und teilweise als aus Felsblöcken gefertigte Statuen ausgeführt ist.

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Der Prager Kunsthistoriker Emanuel Poche vermutet (Aufsatz „K otázce činnosti sochaře Josefa Pacáka”,  in: Umění XI, 1938 , deutsch: „Zur Frage der Aktivitäten der Bildhauers Josef Patzak”), dass früher viele Werke des Georg Patzak noch dem Verwandten Josef, dem Inhaber der Werkstatt, zugeschrieben wurden, z. B. die bekannte Statue des Hl. Franz Xaver, der vom Schurzer Mühlberg mit dem ausgestrecktem Arm das Kreuz nach Kukus reckt. Das kann gut mit den Auseinandersetzungen des kirchenkritischen Freimauers Graf von Sporck mit den  Schurzer Jesuiten zu tun haben.

(Georg Patzak hat den Stil von Matthias Bernhard  Braun nicht einfach adaptiert sondern substantiell weiterentwickelt – vom Kantigen zum Virtuosen hin –  Beispiel dazu im Vergleich)

[ 4. Georg Patzak in der Werkstatt des Josef Patzak

Aus dem o.g. Aufsatz von E Poche ergeben sich wichtige Ergebnisse und Hinweise auf Bilder  typischer Werke Georg Patzaks.

Dabei auch Detailbilder der beiden restaurierten Georg-Patzak-Skulpturen in Trautenau, hier vorläufig zwei kleine Bildchen dazu:

 

  Patzak-Georg_Hl-Nepomuk_Trautenau_o14Sturz d. Hl. Nepomuk, 1728  Patzak-Georg_Hl-Familie_Trautenau_o14Maria, Jesus und Josef, 1730

 

In einer Arbeit (2012 bei Martin Pavlíček, Lehrstuhl für Kunstgeschichte, Uni Olmütz)  zur  Pestsäule in Chudrim wird, ohne weitere Quellenangabe, Georg Patzak als „Goldstaffier Patzak“ bezeichnet; d.h. er war wie Josef Patzak auch Maler und außerdem darauf spezialisiert,  die Holzfiguren mit  Gold zu bemalen, z. B. die Rand der Kleider in Gold zu fassen. (Staffieren kommt vom  altfrz. »estoffer« =  ausschmücken)

]

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5. Das Figurenprogramm an den Mariensäulen der Patzaks

Policka,_Mariensaeule_kIn Politschka (č: Polička) gestaltete  Georg F. Patzak  1731 die Mariensäule auf dem Marktplatz; da sie als Dank für die an der Stadt vorüber gegangenen Pestepidemie errichtet  wude, heißt  sie auch Pestsäule. Die Säule findet nach Ansicht von Kennern nicht ihresgleichen in Böhmen.

Auf einem dreieckigen Grundriss stehen im unteren Bereich die Figuren des Hl. Josef, der Hl. Anna, des Hl. Joachim, weiterhin des Hl. Wenzel, des Hl. Vitus, des Hl. Florian sowie des Hl. Sebastian, des Hl. Karl Boromäus und des Hl. Rochus. Gekrönt ist die Säule mit der Darstellung der Verkündigung, der Himmelfahrt und der Krönung der Jungfrau Maria sowie als Abschluss die Darstellung ihrer Erwählung (mit einer Aureole mit 12 Sternen). Die architektonische Komposition geht wahrscheinlich auf den Architekten Franz Maximilian Kaňka zurück.
(Foto gemeinfrei, Adam Sekanina, Quelle: Wikipedia)

In Schatzlar (č: Žacléř) wird der Rýchorské Platz ebenfalls von einer Mariensäule dominiert, die von Georg F. Patzak 1725 gestaltet wurde, in der Zeit der örtlichen Herrschaft der Jesuiten, seiner Auftraggeber.   Die Spitze der Säule krönt die Jungfrau Maria, in der Mitte stehen die Heiligen Dominikus, Bernhard und Hieronymus in breitkrempigen Hut mit einem Löwen im Vordergrund, dahinter der Hl.. Ignatius von Loyola, der Gründer des Jesuitenordens.

[ Warum werden gerade diese Heiligen gewählt?  Welche Bedeutung haben sie und das Figurenprogramm ? … Detail-Bilder dazu…]

 

6. Franz Patzak in der Werkstatt Georg Patzaks

In Unter-Augezd bei Leitomischl (č: Dolní Újezd v Litomyšl) : errichtete im Jahr 1737 Georg Patzak diese Skulpturengruppe  der Jungfrau Maria. In seiner Werkstatt im benachbarten  Leitomischl  arbeitete  auch sein Sohn  Franz Patzak  mit, der auch als Autor genannt wird. Ob auch weitere Patzak-Verwandte – z. B.  Wenzel – mitarbeiteten ist unsicher.

Patzak-Georg_Wenzel_1737_Mariengruppe_ Unter-Augezd_215

Der renommierte Prager Kunsthistoriker Václav Vilém Štech (1882 . 1974) schreibt dazu (Die Barockskulptur in Böhmen . 1958, S. 107): „Das Werk verrät zeichnerisches Fühlen in der fließenden Modellierung, die alle konstruktiven Elemente in einen Rhythmus überführt.“

Das kolorierte Holzmodell – die Patzaks haben zunächst  Holzschnitzerei gelernt und waren auch Maler –  wird auf dem Nebenaltar der örtlichen Martinskirche aufbewahrt.

Franz Patzak wurde auch überregional bekannt durch seinen Schüler Dominikus  Auliczek (č: Auliček, *1.8.1734 in Policka, † 15.4.1804 München), der als Nachfolger von Franz Anton Bustelli als Modellmeister und Hofbildhauer in der Nymphenburger Porzellanmanufaktur wirkte (Quelle: Große Bayerische Biographische Enzyklopädie. 2005,  S.  77) . Sein weltweit bekanntester Entwurf, das PERL-Service, europaweit erstmals mit 12-eckigen statt runden Untertassen, wird nach Originalvorlagen des 18. Jahrhunderts noch heute in verschiedenen Variationen in Nymphenburg hergestellt.

 [Übergang zum Rokoko, Detailbilder von Patzak-Werken dazu… ]

 

7. Woher kommen die Patzaks?

Zeugnisse der Familie Patzak (č: Pacák) reichen in Ostböhmen  im Raum Schurz, der sich früher bis Trautenau (č: Trutnov) incl. Alt-Rognitz (č: Starý Rokytník, heute Ortsteil von Trautenau) erstreckte, nach den bisherigen Funden zurück bis zum Georg Schurzer Schaffer Patzak (*1617,  †29.Aug.1687 in Schurz).  Die Heimatkunde (Borufka, Josef: Der politische Bezirk Königinhof, 1908) mutmaßt, dass deutschsprachige Bauern und Handwerker aus Schlesien für den Süden nach Ostböhmen angeworben wurden. Und natürlich wanderten Patzaks wieder zurück oder blieben in Schlesien.  Daher gab es auch in Schlesien  Patzaks, z. B. den 1873 in Liegnitz geborenen Kunsthistoriker der Universität Breslau , Prof. Dr. Bernhard Patzak.

Aus Schurz, mindestens aus der Herrschaft Schurz, diesem Ort mit einer Patzak-Geburt 1617  kommen diese, weniger in Prag aber  in der Provinz v.a. in Ostböhmen hoch geschätzten und bekannten Barockbildhauer Patzak:

 Josef Patzak ist als Mitarbeiter M. B. Brauns in Schurz als „Patzalt“ schon in den Lexikas von  1782 und 1790  aufgeführt:  1782 wird er Brauns „vorzüglichster Schüler“ genannt, „Er [Patzak] setzte im Anständigen und Edlen seinen Meister [Braun] zurück.“:

PELZEL-1782-Teil4_Auszug_Pazalt-S-127_2015-Feb-28

Der Piaristen-Priester Jaroslav Schaller nennt ihn in der Topographie des Königreichs Böhmen (1790) im Abschnitt zu Schurz und Dubenetz (15. Teil, S. 65 / 66), den „berühmten Bildhauer Patzalt“ der „hier [in Schurz]  zur Welt“ kam. Der Ort „Gehörte ehedem dem Jesuitenprofesshause bei St. Anna in Wien“:

Dass mit „Patzalt“  der Schnitzer und Bildhauer Josef Patzak gemeint war, ergibt sich aus der Schurzer Pfarrchronik von 1816 (s.u.)  und dem Werk J. G. Sommers von 1836 , der auch Patzalt = Patzak auflöst:

Patzak_berBildhauer_Sommer-S-88-1836

 Unbestritten gehören zur Familie der ostböhmischen Barockbildhauer Patzak mehrere getrennte Personen, der  Franz Patzak (*1680  Schurz? oder *1713 in Lusche,  †17.Sep.1757  in Leitomischl) und sein  Vater  Georg F. Patzak (*1664  Schurz? oder *1670 in Alt-Rognitz, Hft. Schurz, ,   †11. Aug. 1742 in Mährisch-Trübau). (č: František J. Pacák a  Jiří F. Pacák), gelegentlich in Fremdenverkehrsbroschüren auch  einfach zu einer Person Jiří František Pacák zusammengezogen). Wenzel F. Patzak  (č: Václav F Pacák),  der die Werkstatt seines Vaters Franz Patzak weiterführt, ist weniger bekannt.

Die genauen Familien-Zusammenhänge können erst Urkunden, v. a. die Kirchenbücher klären, die hoffentlich bald online sind – das staatlichen Gebietsarchivs in Zámrsk, (dort steht auf den Listen der Kirchenbücher zu  Schurz und zu Alt-Rognitz leider noch kein zip-Link, Stand 28.Jan.2015).  Auch bei den Mormonen ist noch nichts zu Schurz zu finden. Da ist also auch noch „vor Ort“ und  in den Kreisarchiven  z.B. in dem sehr freundlichen Archiv in  Trautenau / Trutnov weiter zu suchen.

8. Hofbildhauer der Schurzer Jesuiten

Der böhmische König (ab 1627) , ab  1637  Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Ferdinand III (1608 – 1657) schenkte 1635  den Jesuiten für ihr Wiener Novizenhaus St. Anna das Schloss in Schurz (č: Žireč)  –  natürlich in der Erwartung, dass die Jesuiten auch in Ostböhmen die Re-Katholisierung voran brachten, die Katholische Reform, wie sie Antonín Kratochvil (Das Böhmische Barock, 1989) besser als mit dem Wort Gegenreformation bezeichnet wissen will. Jedenfalls bauten sie das Haus zur Schurzer Jesuitenrezidenz aus, sie hatten ja Güter in Schurz und in Schatzlar (č: Žacléř )  bekommen.

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„Am 1. März 1635 erhielt das Probhaus [St. Anna, Wien] von Kaiser Ferdinand II. aus dem beschlagnahmten Vermögen des Grafen Adam Erdmann Trzka die Güter Schurz und Schatzlar im nordöstlichen Böhmen.“ (Fundationsbuch, p. 43 ff.)
Von Schurz aus vergaben sie an ihren  „Hofbildhauer“ Patzak (d.h. an seine Werkstatt)  zahlreiche Bildhauerarbeiten im Raum Schurz, z. B. für die Schlosskirche St. Anna.

Ansichtskarte_Schurz_b_215 Schurz-St-Anna-Portal_o14

[ Eindrucksvolle Bilder zu den sehr guten Werken im Inneren dieser Kirche … ]

Hier der Kopf der von Georg F. Patzak (oder Josef Patzak) geschaffenen Skulptur des Jesuitenheiligen  Franz Xaver, in Schurz (legendär mit dem Blick nach Kukus) nach der Restaurierung durch den akad. Bildhauer Karel Krátký im Jahr 2012:

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Johann Gottfried Sommer vermerkt in seiner Enzyklopädie „Das Königreich Böhmen” Bd. Königgrätzer Kreis von 1836 auf S. 88, dass deren Vater,  „der zu seiner Zeit berühmte Bildhauer Josef Patzak“, „gegen Ende des 17. Jahrhunderts” in Alt-Schurz zur Welt kam und „im Kukuser Spitale 1740 in  größter Dürftigkeit starb.”  Erstaunlich – denn M.B. Braun bekam z. B. für die Barockskulpturengruppe  der Hl. Luitgard im Jahr 1711 in Prag den Betrag von 1.200 Gulden ausbezahlt, viel Geld, von dem er sich in Prag leicht ein Häuschen mit Garten für 740 Gulden kaufen konnte (E. Poche: M. B. Braun 2003, S. 30 und Fn. 83).

Chroniktitel_mit-Statue_FX_Josef-Patzalt_o14Während seit dem 1938-er Aufsatz von E. Poche (s.o.) die Kunsthistoriker die Statue des Hl. Franz Xaver  auf dem Mühlberg bei Schurz den Georg Patzak zuordnen, sieht das die Pfarrchronik, verfasst im Jahr 1816, anders. Es heißt dort: „II. Statue des heiligen Franziskus Xaver auf den Mühlberge. .. von den Jesuiten ….  denselben [wie bei der Florian-Statue]  berühmten Bildhauer Josef Patzak aus Alt-Schurz erwählt. Die Statue stellt diesen Apostel dar, fundiert in der gewöhnlichen Stellung, wie er wilden Kindern Unterricht erteilt; in der linken Hand hält er das Kreuz…“

Die Gemeindechronik von 1927 berichtet auch noch die Geschichte dazu: „Im Jahre 1720 wurde die hiesige Gegend von einer sehr argen Viehseuche heimgesucht. Die Bäuerin Röhrich aus Rennzähn gelobte, wenn ihr Gehöft von der Seuche verschont bleibt, dem heiligen Franziskus ein  Standbild zu widmen. Sie hielt auch ihr Versprechen und beauftragte die Schurzer Jesuiten, ein solches Standbild auf ihre Kosten errichten zu lassen. Die Herstellung der Statue übernahm Josef Patzak aus Dorf  Schurz.  Das Standbild stellt den Apostel  der Inder dar, wie er Negern  die Taufe erteilt. – In der linken Hand hält er ein Kreuz.“
Hat der Pfarrer, der 1816 die Chronik verfasste, weniger gewusst als Emanuel Poche 1938?  War er nicht viel näher, örtlich und zeitlich an den historischen  Quellen, z. B. dem Text des Auftrags oder der Rechnung, als der Prager Emanuel Poche?  Dieser begründet die Autorenschaft Georg Patzaks mit Stilvergleichen, also nicht mit historischen Dokumenten.  Diese Auffassung hat sich inzwischen aber wohl bei den Kunsthistorikern durchgesetzt.

Die Verwandtschafts- und Urheber-Verhältnisse der Patzaks (vgl. hier) sind auch deswegen so unsicher, weil in Schurz durch einen verheerenden Brand (am 1. April 1825) und in Wien durch rigorose Aufräumarbeiten nach der Säkularisation viele Dokumente der Jesuiten,  oft Auftraggeber der Bildhauer Patzak, verloren gegangen sind.

Das Wiener Archiv der Jesuiten teilte dazu am 11. Sep. 2014  mit: „Bei der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 wurden die Archive der damaligen Österreichischen Jesuitenprovinz für den Staat in Besitz genommen. In der Folge wurde ein großer Teil des Archivbestandes vernichtet.“

Vielleicht tauchen noch Duplikate auf?

Bild vom Brand

(Bild aus der Chronik der Pfarrei Schurz, die 1816 beginnt)

 

9. Georg Patzak in Dubenetz  –  ein Hilferuf

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Der Bürgermeister von Dubenetz (č: Dubenec), Jaroslav Huňat,  ist sehr besorgt, dass  das vermutlich letzte (ca. 1740) große und wertvolle Kunstwerk von Georg F. Patzak, eine Skulpturengruppe mit  Jesus,  Maria und Josef (č: Ježíš, Maria a Josef )  in der (ehem.) Pfarrkirche  St. Josef  des Ortes dem Verfall anheim fallen könnte.   Hoffentlich führt sein Appell und Hilferuf auf der Homepage der Gemeinde aus der Sackgasse heraus.

[Detailbilder dazu…]

[ 10. Die Kreuzigungsgruppen der Patzaks

Die Prager Nationalgalerie beherbergt im Schwarzenberg Palais (č: Národní galerie v Praze – Schwarzenberský palác)  zwei holzgeschnitzte kolorierte  Kreuzigungsgruppen des Georg Patzak. Auch von Franz Patzak gibt es solche Kalvarienberg-Werke.

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Detailbilder  –    Hl. Johannes, Maria Magdalena, Maria, die Mutter Jesu  .. in Wirklichkeit, das zeigt die moderne Exegese –  standen alle drei nicht unter dem Kreuz; warum dieses Figurenprogramm? ]

 

11. Barockkunst aus dem Dornröschenschlaf herausholen

Die Skulptur des Hl. Franz Xaver  am Schurzer Mühlberg war über 50 Jahre hinweg mehr und mehr zugewachsen. So wie am 4. Mai 2011 ein Gärtner Patzaks Werk für eine umfassende Restaurierung frei legte, ist es an der Zeit, das künstlerisch hochrangige Gesamtwerk der Barockbildhauer Patzak, zu denen es bisher noch keine Monographie gibt,  besser zum Vorschein zu bringen:

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Quelle der Bilder: Meldungen auf www.hospital-kuks.cz/ [Stand:2015-01-26]

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Eine solche Freilegung braucht nach Meinung von Prof. Dr. Nikolaus Lobkowicz (selbst Tscheche und Politikwissenschaftler) die gesamte Barockkunst in Tschechien: „So kannten selbst die Tschechen und Mähren nicht das geistige Erbe ihrer eigenen Barockzeit. Auf den Schulen wurde sie nicht dargestellt, an den Universitäten nur von wenigen erforscht.“ Während der gebildete Europäer „zahllose historische Denkmäler, Kunstwerke, Autoren und literarische Produkte aus der Barockzeit zu nennen weiß, weiß auch der gebildete Tscheche von der Barockzeit seines eigenen Landes kaum etwas“ (in A. Kratochvil, 1989).  45 Jahre antichristlicher Kommunismus und der  Antiklerikalismus der 1930er Jahre haben zum Vergessen der Barockkunst leider erkennbar beigetragen.

Ähnliches schreibt 2012 Prof. Dr.  Jiří Pešek (* 1954,  Prager Universitätshistoriker)  in einer Rezension zur Geschichte der tschechischen Kunst: „Das andere große Thema, das unter dem kommunistischen Regime litt oder bestenfalls geduldet wurde, war die Kunst des Barock. Die zwei Jahrhunderte nach 1620, die mit der Gegenreformation und dem Triumph der katholisch orientierten, dem einheimischen Milieu angeblich aufgezwungenen, ,fremden‘ Kunst und Kultur verbunden werden können, waren den nationalkommunistischen Ideologen (eigentlich in den Spuren der antihabsburgischen und antikatholischen Propaganda der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit) nicht nur in den 1940er und 1950er Jahren, sondern im Prinzip dauerhaft ein Dorn im Auge. “

 

Seit 1995 nimmt die Forschung und Lehre zum Barock in Böhmen, unterstützt durch Ausstellungen, in Tschechien gottlob wieder Fahrt auf. Das „Národní památkový ústav“ (NPU), die Nationale Denkmalbehörde in Prag, auch zuständige für das tschechische Welt-Kulturerbe, führte in den Jahren  2009 und 2011 erfolgreich die Kampagne „Barocke Statuen in der tschechischen Landschaft“  durch. Es heißt dort: „Barocke  Skulpturen auf dem Land bezeugen heute zusammen mit Pilgerstätten  die ehemalige Schönheit der tschechischen Landschaft.“  Witterung, Vandalismus und Diebstahl bedrohen aber gerade an einsamen Orten diese Kunstwerke.

 

12. Sind alle Patzak verwandt?

Warum tragen wir überhaupt Familiennamen? Reicht nicht der Vorname, ergänzt um einen Hausnamen? Oder sind wir dazu zu viele Josefs, Marias, Franzens und Annas ?

Erstmals berichtet 1224 der Sachsenspiegel, dass der  „freie Mann“ nur durch Nachweis der Namen von vier frei geborenen  Ahnen mit einer  „Ahnenprobe“ die Zulassung für wichtige Berufe erreiche. Dazu mussten also Familiennamen aufgeschrieben werden.

Bei den nicht freien Männern, den 98% Nicht-Adeligen, reichte als Name zunächst bis zum 13. und 14. Jahrhundert tatsächlich der Tauf-Vorname, manchmal ergänzt um die Berufsbezeichnung oder den Hofnamen.

Familiennamen, wie wir sie heute kennen, verbreiten sich erst ab dem 14. Jahrhundert,  allgemein üblich waren sie erst ab ca. 1600.

Sollte der Schurzer  Stammvater Patzak (der Name ist abgeleitet entweder von altč: pac, kl. Münze, vgl. Batzen, also der Mann mit den kleine Münzen, oder von pàčit = aufbrechen, herausholen also  der Aufbrecher)  – den Namen 1416 erstmals geführt haben, so sind inzwischen 24 Generationen  (je 25 Jahre) vergangen. Da es die Namen Patzak / Pacák, Petzak / Pecák , Patzalt immer noch gibt (z. B. in CZ  586 mal , in D 1228 mal [2015-03-01] ), muss es in jeder dieser 24 Generationen mindestens einen Sohn gegeben haben, der diesen Namen an die nächste Generation weiter gegeben hat. Gelegentlich gab es auch 3 oder 4 solcher Söhne. Rechnet man ganz vorsichtig, bei der hohen Kinderzahl sicher nicht übertrieben, dass nur in jeder zweiten Generation mindestens ein weiterer Patzak-Sohn den Namen weiterführte, in jeder denkbaren Namens Varianten, so gibt es im Jahr 2016  rein rechnerisch  2 hoch 11 = 2.048 Träger des Namens, der  1416 in Schurz einmalig war.

Die Verluste durch Kriege, Tod oder  Ausfälle durch Familien ohne heiratende Buben sind durch den minimalistischen Ansatz schon einkalkuliert.  Es ist daher nicht sehr unwahrscheinlich, dass mindestens 2.000 der heute auf der Welt lebenden maximal  3.000 Patzak-Familien (in allen o.g. Schreibvarianten),  aus der geographisch begrenzten Gegend  Ostböhmen und Schlesien stammen und auf dieses eine (bisher erst fiktive) Patzak-Paar von 1416 zurück zu führen, also miteinander verwandt sind; auch wenn sie heute in Amerika, Frankreich, Tschechien, Deutschland  oder Österreich leben und nichts davon (und voneinander) wissen. Bekannt war und ist meist nur eine Verwandtschaft bis maximal  zur 4. Generation davor, also bis zu den Ururgroßeltern.

Folgende Patzaks in der deutschen Wikipedia [2015-02-12] dürften  ihre Vorfahren in Ostböhmen oder Schlesien, meist im Kreis Trautenau haben, auch wenn das manchen (selbst in der Familie) unbekannt ist, und könnten daher verwandt sein:

  • Alfred Patzak (1931–2012), deutscher Diplomat
  • Bernhard Patzak (1873–1933), deutscher Kunsthistoriker
  • Franz Patzak (1680–1757), böhmischer Bildhauer (Barock und Rokoko)
  • Georg F. Patzak (1664–1742), böhmischer Bildhauer (Barock)
  • Julius Patzak (1898–1974), österreichischer Opern- und Liedsänger
  • Peter Patzak (*1945), österreichischer Filmregisseur, Autor und Künstler

Ein Nachweis der Verwandtschaft könnte gelingen, wenn man nur weit genug zurück forscht, etwa bis in das 15. Jahrhundert,  oder DNA-Analysen zur Hilfe nimmt.

Braucht es das? Nein – wir freuen uns, auch ohne eine genaue Verwandtschaft belegen zu können, über die grandiosen vor etwa 300 Jahren im Barock und in der Landschaft erbrachten und seit 30 Jahren wieder entdeckten Leistungen der ostböhmischen Bildhauer-Familie Patzak.

13. Reise zu den Barockbildhauern Patzak

[Die Einrichtungen zur Pflege des Fremdenverkehrs in Ostböhmen und Mähren sowie die Internetseiten der Städte  wie z. B. Politschka (č: Polička): Mährisch Trübau (č: Moravská Třebová), Trautenau  (č: Trutnov), Leitomischl  (č: Litomyšl) und   Unter-Augezd (č: Dolní Újezd) stellen, um Touristen zu werben,  die restaurierte Barockkunst der Patzaks heraus, aber auch bei kleineren Orten wie Schurz  (č: Žireč), Chlumek bei Lusche  (č:  Chlumek u Luže) oder Dubenetz  (č:  Dubenec)  ist Georg F. Patzak oder Franz Patzak  (č:  Pacák) zu finden.
Noch gibt es keinen Patzak-Reisevorschlag durch Ostböhmen und Mähren; jedenfalls sollte aber bei einer Reise berücksichtigt werden, ob nicht zum Beispiel auch in einem Barockkonzert in einer Barockkirche mit barocken Patzak-Statuen, am besten das Gesamtbild des Barocks erlebt werden könnte. Dann ist die Kirche auch offen. Das Kloster Kladrau hat solche Angebote parat, an der Statue des Hl. Wolfgang dürfte in der Braun-Werkstatt ein Patzak mitgewirkt haben. ]

 

14. Absicht dieser Zusammenstellung

Inzwischen gibt es schon zu den Schülern und Gehilfen in der Werkstatt des Georg Patzak Veröffentlichungen. Der auch in Prag wirkende Patzak-Lehrer Matthias Bernhard Braun  erfreut sich –  das zeigt die Durchsicht der gedruckten Reiseführer – großer Bekanntheit.  Beides  – allgemein zugängliche Veröffentlichungen und Bekanntheit –  fehlen  aber bis jetzt noch zu der Barock-Bildhauerfamilie Patzak.
Auf dieser Webseite sammeln wir Material für eine mehrsprachige Publikation, allgemeinverständlich und gemeinnützig, die wir, Patzak-Nachfahren aus dem Herrschaftsgebiet Schurz (das bis Trautenau reichte), erstellen wollen, s. Inhaltsverzeichnis deutsch und tschechisch.  Hilfreich ist dabei auch die Seite zu G.F.Patzak im tschechischen Wikipedia.
Sie wird nicht den Anspruch erheben, eine kunsthistorische Monographie zu sein, aber vielleicht kann sie anstoßen, dass Experten eine solche erstellen.

Sie will aber jetzt schon kunstsinnige, der Kultur verbundene und alle dafür offene Menschen aus vielen Ländern über diese europäische Kulturleistung des Barocks in Ostböhmen informieren, vielleicht sogar für Kunstwerke  begeistern, die lange Zeit aus ideologischen Gründen dem Verfall preisgegeben wurden und jetzt dabei sind, als Nationales Kulturdenkmal des freien Tschechiens renoviert und als UNESCO-Welterbe wieder entdeckt zu werden. Die Bilder und Erkenntnisse werden Neugier auslösen, mehr zu erfahren,  mehr zu erleben, nach Ostböhmen und Mähren zu reisen. Sogar Diebstahl und Vandalismus ließen sich bremsen, wenn diese Werke mehr geschätzt werden und ihr religiöser Hintergrund besser bekannt ist.

Dazu will die Publikation nicht einfach, einer Landkarte oder Zeitskala folgend, die ca. 80 Werke  aufzählen und schön abbilden. Abgesehen davon, dass es bei einem Werkstatt-Betrieb manchmal schwer ist, den wirklichen Schöpfer einer Skulptur zu ermitteln, geht es uns neben dem Werk auch um die Hintergründe, die verstehen lassen, wie es zu dieser herausragenden Barock-Bildhauerei in Ostböhmen kam, wie die Werkstätten europaweit verflochten waren, wieso einige dieser Kunstwerke verfallen mussten und auch jetzt weiterhin sehr gefährdet sind.

Daher greifen wir auch den Appell des Bürgermeisters von Dubenetz auf, das letzte grandiose Werk des Georg F. Patzak in seiner Pfarrkirche zu retten:

„… Der letzte Priester hat die Pfarrei im Jahre 1989 verlassen. Um die Kirche kümmert sich eigentlich keiner mehr, das Bistum in Königgrätz argumentiert, dass Dubenetz ein toter Pfarrbezirk sei und lehnt Investitionen in die Reparaturen der Kirche ab. Es ist eine große Schande, dieses Kulturdenkmal, in dem sich das letzte Werk von Georg F.Patzak : Jiří František Pacák) befindet, so untergehen zu lassen.“ (Übersetzung: Karel Dolista, Prag;  aus „… Poslední kněz odešel ze zdejší farnosti roku 1989. O kostel se vlastně nikdo nestaral, Biskupství v Hradci Králové tvrdilo, že je zde mrtvá farnost a do oprav kostela odmítlo investovat. Je to velká škoda, nechat tuto památku, ve které je poslední dílo Jiřího Františka Pacáka, takto zničit.“ [2015-02-12])

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.Vorstellung der geplanten Publikation  beim 19. Münchner Bohemisten-Treffen am 6. März 2015 (Collegium Carolinum)

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