Familien Turnwald u.ä.

Eine spannende Geschichte zeichnet sich bei den Turnwalds ab, zu denen meine Großmutter Margarete HonalMargarete (* 19 NOV 1875 in Lochutzen oo 6 MAR 1900 mit Wenzel Honal aus Honositz 46) aber auch meine Ururgroßmutter Anna  (*15 JAN 1816 in Tuschkau Dorf oo 1844  Matthias Honal *20 JAN 1809  in Honositz 46) in unserer Ahnenlinie gehören.

Sie hatte den Vater Andreas Turnwald (*6 JAN 1770 in Tuschkau Dorf Nr. 7) und als Großvater den Georg Turnwald aus Tuschkau Dorf  (*ca. 1740), für mich ein direkter Vorfahre in der  6. Generation. Tuschkau Dorf  heißt tschechisch Ves Touškov; es lag bis 1945 im Landkreis Mies (Stříbro) und liegt nun im Bezirk Pilsen-Süd (okres Plzeň-jih),  Region Pilsen (Plzeňský kraj).
In den nun digital erreichbaren Kirchenbüchern von Tuschkau-Dorf   reichen, nach vorläufigem Kenntnisstand, die Turnwald-Vorfahren sicher bis 1717 zurück mit einen  Georg Turnwald, von dem es in einer Heiratsurkunde heißt, dass er am 1. Aug.  1785 mit 68 J.  die Katharina Kreis (64 J.)  in Tuschkau-Dorf heiratete. Dann – zu den früheren Generationen hin – wechselt der Name. Georg Turnwalds Vater Gallus Turtenwald heiratet als Hawel Turtenwald am 29.Okt.1704 in Tuschkau-Dorf die Barbara Bockh und übernimmt als Gallus 1705 den Hof seines Schwiegervaters Jan (= Johann) Pockh. Auch in der Grundbuch-Liste des Gedenkbuch des Ortes steht dies  und ein Preis von 550 Gulden. In der  auch im Gedenkbuch wiedergegebenen Hausbesitzerliste von 1783 stehen dann schon bei 6 von 42 Häusern Turnwalds: Veit (#4 u. #24),  Peter (#5), Georg (#7 u. #35,  s. unten bei 8. Gen.)  und Adalbert (#42) , kein Turtenwald mehr.


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Turnwald_Johann-geb1852_Familienbild-USA1926_516Johann Turnwald (*13 DEZ 1852), der jüngere Bruder meines Urgroßvaters Josef, wanderte vom Tuschkau Dorf 1890 in die USA aus und gründete dort in Michigan eine große Familie (s. Bild links, mit Frau Marie, geb. Kulhanek aus Obersekerschan, oo 1876,  inmitten der Schar seiner 21 Enkel)

Das Bild schickte mir sein Ur-Urenkel Greg Turnwald aus New Lothrop, Michigan. Wenn ich Gregs Tochter oder meine 8 Enkel  als 0.Generation zähle, dann sind unsere  gemeinsamen Vorfahren-Großeltern über 7 weitere Generationen 6  bis 12 bekannt:
6. Gen.: Joseph Turnwald (*1803-04-09, Bauer in Tuschkau Nr. 35) oo ~1850 Magdalena Ihl, (Tuschkau = Dorf Tuschkau)
7. Gen.: Nikolaus Turnwald (*1752-11-14, Bauer in Tuschkau Nr. 4)  3.Ehe 1801-02-10 mit Margareth Platz aus Tuschkau Nr. 27
(Nikolaus T. hatte 23 Kinder und hatte als Witwer nach  oo 1777: Susanne Raunen, eine 2. Ehe 1794 mit Maria Turnwald),
8. Gen.: Georg Turnwald (Coloni =  Ansiedler in Tuschkau Nr. 35 *ca. 1730 in Tuschkau / Ves Touškov, † ca. 1800)  oo ~1750 Barbara – soweit der Taufeintrag zu Nikolaus:

Turnwald_Nikolaus_1752-11-14_V-Georg-Turnwald_M-Barbara_Tuschkau-Dorf_ves-touskov-04_0040-n_Detail_B4v84_616

In der Urkunde steht Thurnwald – vielleicht ist das h ein Signal  dafür, dass die Schreibweise von Georgs Familiennamen unsicher ist? Die Marginale rechts lautet aber Turnwald.

Es folgen – zeitlich absteigend – vor Georg:
Georg Turnwalds  Vater (9. Gen. *ca. 1664 ? in Horschikowitz / Hořikovice, † 15. Jul. 1759 mit 94 J. ?) Gallus Turtenwald, dessen Vater (10. Gen.  *ca. 1644 in Horschikowitz, †ca. 1700) Friedrich Turtenwald, dessen Vater (11. Gen.  *ca. 1604 in Horschikowitz , †11. Juni 1682 in Horschikowitz / Hořikovice)  Johann Turtenwald.
Dessen Vater (12. Gen.  *vor 1585) Martin Turtenwald kaufte 1622 einen Hof in Ostrau / Ostrov u Stříbra,  †nach 1656.  Urkunden zu den bisher gefundenen  4 ältesten Generationen muss ich noch finden – bis jetzt verlasse ich mich auf sog. Smart-Matches der Familien-Website My-Heritage, basierend auf der Familienseite der Forscher Kraus und Kaul.

Bei der 1882 (nicht 1881)  aus Staab (cz: stod)  nach Ottoville im Staat Ohio, USA,  ausgewanderten Familie des Richard Turnwald  konnte ich 4 Generationen von Vorfahren-Eltern, oft nicht nur Bäcker, sondern auch Bäckermeister,  im Kirchenbuch von Staab finden:  Josef Turnwald (*1848) &  Maria geb. Smola (oo 1875) , die Auswanderer,   Josef Turnwald (*1822)  &  Anna  Maria geb. Pawlik (oo 1847) ,  Josef Turnwald  (* 1789) &  Anna geb. Graas  (2.oo 1817, 1.oo A.M. Pittner 1813),  Matthias Turnwald  (*~1765) &  Katharina geb. ??  (oo ~ 1785).

Diese beiden Turnwald-Familien in den USA  haben,  wie auch ich, vermutlich im 17. Jh. gemeinsame Vorfahren in Ostrau (Ostrov u Stříbra hat heute ca. 100 E und gehört nun zu Kostelzen / Kostelec u Stříbra mit 570 E.)  bzw. im Raum Chotieschau, (cz: Chotěšov, 2.800 E.  okres Plzeň-jih),  denn das Kloster Chotieschau (cz: klášter chotěšov) war von 1620 bis 1782 (wieder) Sitz einer Grundherrschaft, in dessen Gebiet eine gewisse Beweglichkeit der Untertanen möglich war.Bild-Kloster-Chotieschau-wiki_616

Die Verbindung zu dem bei Staab  liegendem kleinen Ort Horschikowitz (im Kirchsprengel Chotieschau) zu den Turnwalds dort ab 1635  geht sicher über Martin Turtenwald, der 1622 einen Hof in Ostrau kaufte; daraus folgen dann auch die weiteren Verbindung  zur Reichenberger (cz: Liberec) Juristen-Familie Turnwald mit dem Stammvater Georg Turnwald aus  Pscheheischen (cz: Přehýšov, Plzeňský kraj) und nach Lichtenstein (Lištany, Plzeňský kraj),  wie alle diese Orte nicht weit von der früherer Kreisstadt Mies (cz:  Stříbro) entfernt,  zur Familie des dt. Botschafters in Libyen Dr. Wilhelm Turnwald (1909 – 1984), der heute noch bekannt ist als Herausgeber der „Dokumente zur Vertreibung der Sudetendeutschen“  mit vielen Auflagen, auch in englischer Sprache,  von 1951 bis 1992.  Von ihm, einen Historiker, stammt  die Vermutung, die Turnwalds wären „künische Freibauern“ gewesen.  [Von der örtlichen Lage her hätten es eher Choden, Untertanen königliche Güter, sein müssen;  d. Verf.].  Sie hatten die Aufgabe,  in kritischen Zeiten an den Grenzen von Türmen aus das Land zu kontrollieren, waren also Turmwalter (walter vom  althochdeutschen waltan  = herrschen). Daraus sei der Name Turnwald entstanden, mit dem  Ursprung im 13. oder 14. Jahrhundert.  In einer Version von 1987 seiner „Kurzgeschichte der Turnwald Familien in Westböhmen“ bevorzugt Edward Skender die Vermutung, dass sich Turnwald von „Durch den Wald“ ableiten lässt. Die deutschsprachigen, katholischen Siedler kamen aus Thüringen und Bayern  „durch den Wald“. Als Zeitraum wird die Wiederbesiedlung des durch den dreißigjährigen Krieg zerstörten Westböhmens, also 1648 folgende, angenommen. Tatsächlich gibt es aber schon vor 1590 z. B. in Ostrau, durchaus im Chodengebiet, den  Martin Dortenwald (* wohl vor 1582).  In der 2. Version von 1994 gibt Edward Skender, sowohl die „Durch den Wald“-Vermutung als auch die „Turmwalter“-Vermutung auf zu gunsten der Ableitung von dem alten deutschen Namen Turtobald. Auch die Siedlung erst nach dem dreißigjährigen Krieg gibt er auf.  Gut, denn dazu teilte am 26. Dez. 2016 Gisbert Lawitzky mit, dass es im Tachauer Urbar 1555 in Dreihacken den Eintrag gebe „Heintz Torhawald zinst auf Georgi“ und im Tachauer Urbar 1607 stehe unter Dorf Hals „Petter Dorttwald zinset 6 Kreuzer“.  Auch die Grenzwächter-Vermutung ist wackelig: Christina Kaul  (Brüssel) schreibt, dass es frühe Turtenwalds auch in Baden gab. „Ich habe 1649 die Geburt eines Johannes Martin Duerttenwalt in Glatt bei Sulz am Neckar gefunden.“ Außerdem gebe ab ca. 1670 eine Menge Dortenwaldt/ Durtenwald / Durthenwald im Kreis Jagst, z.B. in Hohenberg, Rosenberg und Ellwangen. „Ich habe auch eine um 1655 geborene Christine Durdenwald gefunden, die 1676 in Rottelsheim im Elsass geheiratet hat.“


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Turpald, Turtobald, Turtenwald, Thurnwald und  Turnwald

In welcher Version sie auch in Urkunden stehen, alles was wie Turtenwald bis Turnwald klingt, gehört, jedenfalls in Westböhmen,  zur gleichen Großfamilie.  Christina Kaul, die zu den frühen Familien Turtenwald/Turnwald in Westböhmen forscht, kommt zu dem Schluss (Mail vom 4. Dez. 2016):  „dass die Turtenwalds der Dörfer, die zur Herrschaft Kladrau gehören, von Michel abstammen, während jene Turtenwalds, die in Dörfern der Herrschaft Chotischau leben, von Hans abstammen. Alle aber von Martin dem Älteren in Ostrau. ..  Martin Dortenwald (* wohl vor 1582) kauft den Hof in Ostrau / Ostrov 1622. Er hat drei Söhne: Martin *1602, Hans *1604 und Michel *1607 sowie eine Tochter Margarethe *1610.  Martin der Sohn kauft 1629 einen Hof in Teinizel / Tyrec, Sohn Hans 1635 den Hof in Horschikowitz und Michel übernimmt 1656 den Hof in Ostrau.“

In Ostrau, heute ein Ortsteil von Kostelzen / Kostelec, gab es bis 1945 zwei Familien Turnwald.  Das Haus 11 „Beim  Neubauer“ bewohnte schon 1651 dieser o.g. Michel Turtenwald (40 J.)  mit seiner Frau Christine (39 J.) und der 7 jährigen Tochter Katharina (das  Gedenkbuch der Gemeinde Ostrau,  vom in der Ortsgeschichte kundigen Lehrer H. Leneis ab 1929 geführt, zitiert dazu das Ostrauer Einwohnerverzeichnis des Kladrauer Abtes Romanus vom 17. Apr. 1651). Laut Leneis sind „urkundlich“in diesem Haus: 1713 Simon Turtenwald, 1773 Stephan Turtenwald und 1849 Martin Turnwald mit den Kindern Simon, Peter und Johann, der den Hof übernimmt. Von Johanns Kindern Josef, Johann und Maria wird 1945 noch Johann Turnwald im Buch „Die Gemeinden im Landkreis Mies“ (S. 194) genannt.  Die Ortspläne von 2016 zeigen, dass das Haus 11 für eine Straße und Neubauten abgerissen wurde.  Das Haus 14 „Beim  Schoucherl“, in dem nach dem Fam. Wech von 1848 (Wenzl) bis 1945 Turnwalds (Johann u. Margarete) lebten, besteht  dagegen heute noch:

Nach dem amtlichen Kataster [Stand 2017-07-25] sind nun die Eheleute Pavel und Ilona Flor die Inhaber des Hauses #14 in Ostrau, eines stattlichen Hofes. Ein Bild vom Haus #11 suche ich noch. Jetzt ist die #11 neu vergeben an die Firma „Logistics Park 1 s.r.o.“, nahe an der Autobahn A6 / D5 von Nürnberg nach Prag, Ausfahrt 107.

2011 hatte Ostrau 59 Einwohner in 44 Häusern, 90 Jahre davor, 1921, noch 227 Einwohner (davon 220 Deutschböhmen)  in 37 Häusern, eingepfarrt nach Kostelzen, wohin es von 1945 bis 1976 auch politisch zugeordnet war; danach, bis 1988, gehörte Ostrau, wie schon seit der Gründungsurkunde von 1115 zu Kladrau (früher natürlich zum 1785 aufgelösten Kloster Kladrau), seit 1889 wieder zu Kostelzen /Kostelec u Stříbra  im Bezirk Tachau / Okres Tachov der Region Pilsen / Plzeňský kraj.

 

In Ostrau wechselte in der Familie der Name Turtenwald zu Turnwald.  Das gab es auch an anderen Orten und auch umgekehrt.
Ein Pfarrer in Chotieschau, das hat Friedbert Volk herausgefunden,  habe nachweislich einfach “Turtenwald” zu dem nun üblicheren Namen “Turnwald” umgeschrieben. Es gibt aber auch eine Aufzeichnung von ca. 1850, dass der 1646 getaufte Hendrich eigentlich den Namen Turnwald hätte bekommen müssen aber in das Taufbuch als Hendrich Turtenbald eingetragen wurde. Der richtige Name Turnwald sei aber vom sprachunkundigen Schreiber  „in Turtenbald verhunzt und  [bei weiteren Kindern Anm. d. Vf.] später in Turtenwald etwas verbessert“ worden.
Wie auch immer: Heute gibt es beide Namen Turtenwald und Turnwald weiterhin bei Personen vor allem in Deutschland (15. März  2017: 72 Turtenwald u. 666 T(h)urnwald) und in Tschechien (15. März  2017: 18 Turtenwald u. 50 Turnwald, jeweils incl. der Version Th.. bzw. mit der Endung ová), Turtenbald,  Turtobald und Turpald aber nicht mehr.

Otto Turtenwald aus Chotieschau hat nämlich 1958 in der Zeitschrift „Wacht an der Miesa“ (Nr. 52, S. 624)   darauf verwiesen, dass in der westböhmischen Stadt Kladrau unter den ältesten deutschen Bürgern im 16. Jhdt. ein „Turtobald“ genannt wird [der aber in den „berni rula“ (s.u.) dort nicht erscheint Anm. d. Verf.]. Ab dem 17. Jhdt. sei daraus der Name Turtenwald geworden. Der Prager Sprachforscher Dr. Karl Gaube habe in den 1920er Jahren auf eine Anfrage hin in der Zeitschrift „Bundesbote“ publiziert, dass Turtobald auf den deutschen Personennamen Turpald aus dem 6. Jhdt. zurückweist. Dieser setze sich zusammen aus turis = Riese, Kraft und aus pald = kühn. Wer hätte, falls das stimmt,  beim Namen „Turnwald“ oder „Turtenwald“ an so etwas gedacht?

Was sind Turten?
Auch wenn sich Turnwald /  Turten-wald aus Tur-pald emtwickelt hätte, bleibt nach dem dann eingesetztem Wort „Turten“ zu fragen. In Frankfurt wurde 1568 das Wort „Turten“ so verwendet:
(bringt man) turten, gebachens oder strauben,
so wüsch im fluchs uber dhauben.
grobianus
Erdäpfelturten, die in der Turtenpfanne gebacken werden, sind eine Fastenspeise.
Dass Dortenwald (Ostrauer Grundbuch 1622: Martin Dortenwald), Tortenwald  mit Turtenwald wechselten, liegt dann nahe.  Das „Deutsche Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm“ (Leipzig 1854)  weist „dorte“ als eine übliche Schreibweise von „Torte“ aus.
Wird Turtenwald etwas schnell, zahnlos  bzw. schludrig ausgesprochen dann klingt es wie Turnwald.  Des Schreibens und Lesens waren im 16. Jhdt. höchstens 10%  der Landbevölkerung mächtig.  Mit dem vom Pfarrer, vielleicht nach Gehör,  vorgenommenen Wechsel von Turtenwald zu Turnwald  verschwindet allerdings die Zuschreibung des Namens zum Wald mit Torten, also mit  feinen, flachen Kuchen, völlig.

Und was ist mit Wald? 
Wald kann sich natürlich aus dem pald,  bald entwickelt haben. Auch das aus Zusammensetzungen wie Witzbold bekannte Suffix -bold  geht zurück auf das mittelhochdeutsch balde oder auch althochdeutsch baldo. Die Bedeutung lautet kühn und ist heute noch im Englischen mit dem Verb bold zu finden.  Erst im 17. Jahrhundert fand ein Bedeutungswechsel statt und aus kühn wurde eilig im Sinne von bald. Da passte es, von -bald zu -wald zu wechseln, der früher mehr als eine Ansammlung von Bäumen bedeutete: „Es scheinet in Wald vielmehr das dicke, enge Beysammenseyn der Theile der herrschende Begriff zu seyn, indem man dicke, buschige Haare, nahe an einander stehende Gewächse u. s. f. mehrmahls mit einem Walde zu vergleichen pflegt. Ehedem bedeutete Wald auch Holz, wie das Englische Wood und Schwedische Ved, und auch im Deutschen Holz so wohl Lignum als Sylva ist.“ Soweit das grammatisch-kritische Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart von Johann Christoph Adelung (1788).

Quelle: Wörterbuchnetz . Kompetenzzentrum an der Universität Trier

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Turnwald, Turtenwald und Dortenwald in alten Listen

Die berni rula von 1654 zeigen im tschechisch redigierten Nachdruck „Pilsner Kreis“ von 1952 keinen Eintrag zu Turnwald, weder für Kladrau noch für Tuschkau-Dorf, wohl aber auf der Fol. 17 des Bandes „Pilsner Kreis“ (im Nachdruck von 1952 Band I auf S. 187) den Namen Jan Turtenwald für das Dorf Horschikowitz.

Im Original der Berni Rula von 1654 hat der Heimatforscher Pfarrer Anton Rawitzer außerdem für den nahe an der Grenze von Westböhmen nach Bayern liegenden Ort StiebenreithCtiboř bei Tauchau / Tachov einen Halbbauern / Chalupnik  Mattheß Dortenwald und bei den Kleinstlandwirte  (Gärtner = zahradnici) ein Martin Dürtenwald gefunden.   Niedergeschrieben ist das in der „erweiterten Chronik II und Familiendokumentation“ 600 Jahre Stiebenreith 1375-1975 (1975, 79 Seiten, Eigenverlag). Der Ort wurde 1375 zinspflichtig, wurde also wohl 1367 oder etwas früher gegründet. Das Dorf war, der Namensteil „reith“ weist auf eine Rodung hin, als Reihendorf in fränkischer Hofform angelegt.  Kommen die Dortenwald / Turtenwald / Turnwald aus Franken?

Im Urbar von 1612 und dessen Renovierung von 1641 zahlt in Stiebenreith 1612 ein „Mattes Thurnwald“ und 1641 ein „Mats Dortnwaldt“ an Georgi und an Galli jeweils die gleichen Zinsen: 38 Gulden, 3 Kreuzer für den angegebenen gleichen Grundbesitz. Vermutlich war das die gleiche Person, zweimal verschieden geschrieben:

 

Im Stiebenreither Häuserverzeichnis steht, dass im Haus Nr.3  eine Maria Turtenwald (*13.3.1786, + 30.4.1845,  je in Stiebenreith) mit  Andreas Weidl (*22.5.1782) lebte, die am 6.1.1804  geheiratet hatten. Nach 1845 tauchen  in Stiebenreith weder der Name Turtenwald noch Dortenwald  oder T(h)urnwald wieder auf, wohl aber in der Umgebung.
Das „Gedenkbuch“ von Tuschkau-Dorf  enthält auf S. 14  den Auszug aus der o.g.  berni rula (dort ohne Turn-/ Turtenwald) aber  auf S. 16 den Katasterauszug von 1713 mit einem Gallus Turtenwald (*ca. 1664 in Horschikowitz,   † 15. Jul. 1759 in Tuschkau-Dorf) , der wohl als Vater des Georg Turnwald zu unserem Familienstammbaum gehört.


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Vorfahren aus Wallensteins Heer oder aus Schweden?

Der Ortschronist Wech aus Lochutzen schreibt (ohne weitere Belege), dass die Turnwalds auf einen Hans Turnwald zurückgehen, der als entlassener Soldat des Wallenstein-Heeres sich 1635 in Westböhmen am Klindik’n Hof in Horschikowitz (cz: Hoříkovice) Erster Turnwald 1635 angesiedelt hat. Das dürfte wohl falsch sein.
Oliver Turnwald schrieb mir 2006: “Es gibt Vermutungen, dass sich der Name Turnwald vom skandinavischen Thorvald ableitet, da wohl im 30-jährigen Krieg schwedische Truppen in das Gebiet gelangt (und geblieben) sind. ”  Das kann auch zur o. g. Turtenbald-Umschreib-Story  passen, weniger zur Ableitung von Turtobald. und überhaupt nicht zu den zahlreichen Turtenwald-Funden um Ostrau und Tachau aus dem 16. Jahrhundert oder in Baden.


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Auswanderung nach  Neuseeland

Wenzl Turnwald (* 27 April 1794 in Lochutzen) war der Vater von Lorenz (Wenzl ) Turnwald  (* 30 Jan.  1826 in Poppowa) der bei der Auswanderung einer Gruppe von Deutschböhmen nach Neuseeland (Puhoi) am  15 Juni 1863 auf hoher See auf der  “War Spirit” nach einem von einem Sturm ausgelösten Unfall tragisch starb.
Seine Frau Anna (*22 Jan.1826 in Auherzen, CZ , † 4. Nov. 1877 in Auckland, NZ) und die gemeinsamen Kinder Bartholomäus, Lorenz, Joseph John, Katherina und Elisabeth erreichten Neuseeland und sorgten dafür,  dass es noch heute in der 6. Generation Turnwalds in Neuseeland gibt.  Auch das bei der Überfahrt noch junge Paar Anton († 1924) und seine Ehefrau Barbara Turnwald (geb. Lans / Beden,  † 1886)  die aus Chotieschau im Alter von 25 und 22 Jahren mitreisten, trugen mit 9 in Neuseeland geborenen Kindern dazu bei. Die Großeltern von Anton  waren  Peter und Cäcilia Turnwald (geb. Lenz), der Vater Anton Bartholomäus Turnwald (* 8 Jan 1785)  aus Chotieschau, die Mutter Anna (geb. 1797 als Gruber  in Stich / cz: Vstiš, heute ein Ortteil von Wiesengrund / cz: Dobřany). Auch diese beiden Turnwald-Familien aus der „War Spirit“ hielten sich für nicht verwandt, haben aber vermutlich im 18. / 17. Jh. gemeinsame Vorfahren, die bis 1635 zum o.g. Klindik’n Hof in Horschikowitz zurückreichen. Früher waren nämlich über die 4. Generation hinaus – außer beim Adel, da ging es ja um Besitz und Macht  – Verwandtschaften nicht mehr bekannt, man hielt sich für  bloße „Namensvettern“. Die Turnwalds in Horschikowitz waren Untertanen der Chotieschauer und die in Ostrau Untertanen der Kladrauer Kloster-Herrschaft. Erst 1848 wurde in Böhmen die Leibeigenschaft aufgehoben.

Seit Juni 2016 habe ich Kontakt mit Colin Turnwald, der selbst Familienforschung betreibt und mir die Bilder seiner Urgroßeltern Joseph u. Eva Turnwald geschickt hat; Joseph ist ein noch in Böhmen geborener Sohn des auf der Seefahrt tragisch verunglückten Lorenz Turnwald:

Turnwald-Joseph-1855-11-12-Poppowa_Eva-Bayer-1853-08-25-Chotieschau_oo1897-02-20_Neuseeland_616

Heute steht Puhoi Valley in Neuseeland für  Ice Cream und Organic Half & Half Milk, daher kein Wunder:  In  Ohaupo (NZ) betreibt z. Zt. eine Familie John Turnwald eine große Milchkuh-Farm.

turnwald_farm_2007

Foto-Collage aus 3 Bildern des Manuel Hundt (23.2.2007), die erschienen sind in:
Neuseeland 2007 – Bericht zur Exkursion des Instituts für Geographie der Universität Potsdam.

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Weitere Turnwald-Verwandte im ehemaligen Kreis Mies (Westböhmen)?

Buch-Gemeinden-Kreis-MiesIm Heimatbuch „Die Gemeinden des Landkreises Mies“ (3., verbesserte Auflage – Dinkelsbühl 2008) finden sich der Namen Turnwald meiner Großmutter väterlicherseits  sowohl auf S. 135 in (Lochutzen) als auch in  Tuschkau Dorf (S. 316). In gemeinsamer Arbeit, zu der alle Familienforscher herzlich eingeladen sind, versuche ich diese „Wech-Listen“ für www.lochutzen.de zu digitalisieren.

Die Bezüge zu den  Turnwalds (ein in Westböhmen häufiger Name) an anderen Orten des Kreises Mies  z. B. Turnwald aus den 1935er-Hausbesitzerlisten in Chotieschau, Elhotten, Elschelin, Gottowitz, Hniemitz, Holleischen, Horschikowitz, Kladrau, Knie, Kosolup, Kostelzen, Lichtenstein, Lihn, Littitz, Lohowa, Mies, Mirschowitz, Naglos, Nedraschitz, Tuschkau Stadt, Untersekerschan, Wellana, Wilkischen, Witowa, Worhabschen, Wscherau und Zwug sind, soweit es überhaupt verwandtschaftliche Verbindungen gibt, noch unklar.  Da bleibt noch viel in den Archiven zu forschen.

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Wer mehr zur Linie Honal/Turnwald beitragen kann oder wissen will, möge mir bitte ein E-Mail schreiben.

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