ein Ritter von Thurnwald

Aus Lochutzen / Lochousice, Herkunftsort vieler westböhmischer Turnwalds, stammt auch Andreas Thurnwald, der es 1918 in Wien zum „Ritter von Thurnwald“ brachte und dabei dieses Wappen (man sieht darin, dass er Militär-Arzt war) verliehen bekam:

In Lochutzen, dem Geburtsort meiner Großmutter Margarete Honal, geb. Turnwald, ist im Haus Nr. 14 (Hofname: Schwarzbauer) sein Großvater mit dem gleich Vornamen Andreas, aber dem Nachnamen Turnwald statt Thurnwald am 1. Dez. 1774 geboren und als Kind des Philipp Durtenwald (*1728, später: Turnwald) und der Susanna Ganka (*1736) aufgewachsen. Im Kirchenbuch Tuschkau Stadt / Město Touškov wird beim Andreas als Vater des Josef, der am *22. März 1821 in Wenussen / Bdeněves geboren wird, aus dem Namen Turnwald die Schreibweise Andreas und Joseph Thurnwald:

Geburt Josef Thurnwald

Mit Anna Klenowsky als seiner Ehefrau werden Josef und Anna am 19. Nov. 1848 die Eltern des Andreas Thurnwald, geboren auch in Wenussen 26, 12 Kilometer westlich von Pilsen / Plzeň . Hier der Geburts- und Taufeintrag im Kirchenbuch von Tuschkau Stadt:

Kirchenbuch Auazug

Wandel der Familiennamen in der gleichen Familie

Den Familiennamen des Vaters Wenzel (*29. Sep. 1699 in Ostrau / Ostrov u Stříbra) von Philipp (*1728 in Ostrau) schrieb der Pfarrer (nach Gehör) ins Kirchenbuch als Dortenwald, also Wenzel Dortenwald. Der Sohn Philipp bekam bei der Taufe den Namen Durtenwald. Diese Form galt dann auch für alle, denn Standesämter gab es in Böhmen damals noch nicht. Im Sterbebuch hat der gleiche Mensch Philipp, er stirbt in Lochutzen 14 mit 84 Jahren, den dort wohl schon üblichen Familiennamen Turnwald. Jedenfalls hat der nun zuständige Pfarrer den Name anders geschrieben als sein Kollege in Ostrau. Philipps Kinder und Enkel heißen nun (moderner?) Turnwald – aber nicht alle: Mit dem Umzug des Andreas (*1774) von Lochutzen 14 nach Wenussen 26 wird bei der Taufe des Sohnes Josef (*1821) sein eigener Geburtsname Turnwald zu Thurnwald, der dann auch auf Andreas Thurnwald (*1848) übergeht und so geblieben ist, bis zu den Thurnwalds in Wien, die es dort heute noch gibt.

Andreas Ritter v. Thurnwald war nach den Ranglisten 1916-1918 der k. k. Landwehr und der k. k. Gendarmerie 1918 (Wien, 1918) Chef des Landwehrärztlichen Offizierskorps im Rang des General-Oberstabsarztes und Vorstand der Abt. VI im Wiener Ministerium f. Landesverteidigung. Für seine besonderen Leistungen in diesen Funktionen bekam er den „Ritterschlag“ zum „Andreas Ritter von Thurnwald“.

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Hier als Übersicht die Tabelle der Vater-Sohn-Folge über 8 Generationen hinweg (Stand 2019-11-01):

Turtenwalds haben mind. seit 1612 einen Hof in dem 1375 gerodetem Dorf Stiebenreith / Ctiboř ; vermutlich kommt von dort auch die mit einander verwandten, deutsch-böhmischen Familien Turtenwald (daraus wurde Turnwald, aber auch 1612 gab es schon die Schreibweise Thurnwald vgl. Urbar-Auszug) und Dortenwald, wie dieser Zweig, der in 8 Generationen mit 5 verschieden geschriebenen Familiennamen von Ostrau über Lochutzen und Wenussen nach Wien führt:

8. Dortenwald Martin (* v.1582, † n. 1656 Ostrau), kauft 1622 Hof in Ostrau (ein kleines Dorf, das heute zu Kostelzen gehört (cz: Kostelec u Stříbra), in der Nähe des Klosters Kladrau (cz: Klášter Kladruby)
war der Vater des…

7. Durtenwaldt Michel (*~1611 in Ostrau, † 1677-07-19 Ostrau) ,
in der Seelenliste von 1651 heißt er Michael Durtenwald, 40 J. alt
war der Vater des…

6. Dortenwald Simon (*~1658 Ostrau, † 1733-04-09 Ostrau, Neubauernhof)
war der Vater des…

5. Dortenwald Wenzel (*1699-09-29 Ostrau, † 1776-10-09 Ostrau)
war der Vater des…

4. Durtenwald Philipp (*1728-03-20 Ostrau , † 1811-02-16 Lochutzen 14)
war der Vater des…

3. Turnwald Andreas (*1774-12-01 Lochutzen 14, † 1862-07-29 Wenussen 26)
war der Vater des…

2. Thurnwald Josef (*1821-03-22 Wenussen 26 , † 1890-08-27 Wenussen 26)
war der Vater des…

1. Thurnwald Andreas (*1848-11-19 in Wenussen 26 –
ab 1918: Andreas Ritter von Thurnwald † 1927-11-01 in Wien mit 79 J.)

Das „Pilsner Tagblatt“ berichtet am Sa. 5. Nov. 1927:

„Nach langem, schwerem Leiden ist in Wien der Generaloberstabsarzt Dr. Andreas Thurnwald im 79. Lebensjahr verschieden. Der Verblichene war als Chef des landwehrärztlichen Offizierskorps eine bekannte Persönlichkeit und hat sich auf dem Gebiete des Militärsanitätswesens viele Verdienste erworben. Dr. Thurnwald, ein gebürtiger Wenussener, hat das Pilsener deutsche Gymnasium absolviert.“

Seit dem österreichischen Adelsaufhebungsgesetz vom 3. April 1919 sind dort Titel wie „Kaiserliche Hoheit “ und auch „Ritter von “ tabu. Daher in der Presse schlicht „Dr. Thurnwald“.

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