Patzak – Pacák: dt 9…14

(Erweiterte Materialsammlung-2015 Kap. 9..13 zum Patzak-Pacák-Buch)

 

9. Georg Patzak in Dubenetz  –  ein Hilferuf

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Der Bürgermeister von Dubenetz (č: Dubenec), Jaroslav Huňat,  ist sehr besorgt, dass  das vermutlich letzte (ca. 1740) große und wertvolle Kunstwerk von Georg F. Patzak, eine Skulpturengruppe mit  Jesus,  Maria und Josef (č: Ježíš, Maria a Josef )  in der (ehem.) Pfarrkirche  St. Josef  des Ortes dem Verfall anheim fallen könnte.   Hoffentlich führt sein Appell und Hilferuf auf der Homepage der Gemeinde aus der Sackgasse heraus.

[Detailbilder dazu…  ]

 

[ 10. Die Kreuzigungsgruppen der Patzaks

Die Prager Nationalgalerie beherbergt im Schwarzenberg Palais (č: Národní galerie v Praze – Schwarzenberský palác)  zwei holzgeschnitzte kolorierte  Kreuzigungsgruppen des Georg F. Patzak. Auch von Franz Patzak gibt es solche Kalvarienberg-Werke.

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Detailbilder  –    Hl. Johannes, Maria Magdalena, Maria, die Mutter Jesu  .. in Wirklichkeit, das zeigt die moderne Exegese –  standen alle drei nicht unter dem Kreuz; warum dieses Figurenprogramm?

 

Patzak-G-Kreuz-1740-Leitomischl-NG_115

]

 

11. Barockkunst aus dem Dornröschenschlaf herausholen

Die Skulptur des Hl. Franz Xaver war über 50 Jahre hinweg mehr und mehr zugewachsen. So wie am 4. Mai 2011 ein Gärtner Patzaks Werk für eine umfassende Restaurierung frei legte, ist es an der Zeit, das künstlerisch hochrangige Gesamtwerk der Barockbildhauer Patzak, zu denen es bisher noch keine Monographie gibt,  besser zum Vorschein zu bringen:

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Quelle der Bilder: Meldungen auf www.hospital-kuks.cz/ [Stand:2015-01-26]; hier Bildserien zur Restaurierung, zum Wiederaufbau und zur Einweihung  [Stand:2015-05-30, Quelle: Ordo sancti Huberti in Kuks]

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Eine solche Freilegung braucht nach Meinung von Prof. Dr. Nikolaus Lobkowicz (selbst ein Tscheche und Politikwissenschaftler) die gesamte Barockkunst in Tschechien: „So kannten selbst die Tschechen und Mähren nicht das geistige Erbe ihrer eigenen Barockzeit. Auf den Schulen wurde sie nicht dargestellt, an den Universitäten nur von wenigen erforscht.” Während der gebildete Europäer „zahllose historische Denkmäler, Kunstwerke, Autoren und literarische Produkte aus der Barockzeit zu nennen weiß, weiß auch der gebildete Tscheche von der Barockzeit seines eigenen Landes kaum etwas” (in A. Kratochvil, 1989).  45 Jahre antichristlicher Kommunismus und der  Antiklerikalismus der 1930er Jahre haben zum Vergessen der Barockkunst leider erkennbar beigetragen.

Ähnliches schreibt 2012 Prof. Dr.  Jiří Pešek (* 1954,  Prager Universitätshistoriker)  in einer Rezension zur Geschichte der tschechischen Kunst: „Das andere große Thema, das unter dem kommunistischen Regime litt oder bestenfalls geduldet wurde, war die Kunst des Barock. Die zwei Jahrhunderte nach 1620, die mit der Gegenreformation und dem Triumph der katholisch orientierten, dem einheimischen Milieu angeblich aufgezwungenen, ,fremden’ Kunst und Kultur verbunden werden können, waren den nationalkommunistischen Ideologen (eigentlich in den Spuren der antihabsburgischen und antikatholischen Propaganda der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit) nicht nur in den 1940er und 1950er Jahren, sondern im Prinzip dauerhaft ein Dorn im Auge.”

 

Seit 1995 nimmt die Forschung und Lehre zum Barock in Böhmen, unterstützt durch Ausstellungen, in Tschechien gottlob wieder Fahrt auf. Das “Národní památkový ústav” (NPU), die Nationale Denkmalbehörde in Prag, auch zuständige für das tschechische Welt-Kulturerbe, führte in den Jahren  2009 und 2011 erfolgreich die Kampagne “Barocke Statuen in der tschechischen Landschaft”  durch. Es heißt dort: “Barocke  Skulpturen auf dem Land bezeugen heute zusammen mit Pilgerstätten  die ehemalige Schönheit der tschechischen Landschaft.”  Witterung, Vandalismus und Diebstahl bedrohen aber gerade an einsamen Orten diese Kunstwerke.

 

12. Sind alle Patzak verwandt?

B07_Sachsenspiegel_913-kWarum tragen wir überhaupt Familiennamen? Reicht nicht der Vorname, ergänzt um einen Hausnamen? Oder sind wir dazu zu viele Josefs, Marias, Franzens und Annas ?

Erstmals berichtet 1224 der Sachsenspiegel (im Bild links), dass der  „freie Mann” nur durch Nachweis der Namen von vier frei geborenen  Ahnen mit einer  „Ahnenprobe” die Zulassung für wichtige Berufe erreiche. Dazu mussten also Familiennamen aufgeschrieben werden.

Bei den nicht freien Männern, den 98% Nicht-Adeligen, reichte als Name zunächst bis zum 13. und 14. Jahrhundert tatsächlich der Tauf-Vorname, manchmal ergänzt um die Berufsbezeichnung oder den Hofnamen.

Familiennamen, wie wir sie heute kennen, verbreiten sich erst ab dem 14. Jahrhundert,  allgemein üblich waren sie erst ab ca. 1600.

Sollte der Schurzer  Stammvater Patzak (der Name ist abgeleitet entweder von altč: pac, kl. Münze, vgl. Batzen, also der Mann mit den kleine Münzen, oder von pàčit = aufbrechen, herausholen also  der Aufbrecher)  – den Namen 1416 erstmals geführt haben, so sind inzwischen 24 Generationen  (je 25 Jahre) vergangen. Da es die Namen Patzak / Pacák, Petzak / Pecák , Patzalt immer noch gibt (z. B. in CZ  586 mal , in D 1228 mal [2015-03-01] ), muss es in jeder dieser 24 Generationen mindestens einen Sohn gegeben haben, der diesen Namen an die nächste Generation weiter gegeben hat. Rechnet man ganz vorsichtig, bei der hohen Kinderzahl sicher nicht übertrieben, dass nur in jeder zweiten Generation mindestens ein weiterer Patzak-Sohn den Namen weiterführte, in jeder denkbaren Varianten, so gibt es im Jahr 2016  rein rechnerisch  2 hoch 11 = 2.048 Träger des Namens, der  1416 in Schurz einmalig war.

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Die Verluste durch Kriege, Tod oder  Ausfälle durch Familien ohne heiratende Buben sind durch den minimalistischen Ansatz schon weitgehend einkalkuliert.  Es ist daher nicht sehr unwahrscheinlich, dass mindestens 2.000 der heute auf der Welt lebenden maximal  3.000 Patzak-Familien (in allen o.g. Schreibvarianten),  aus der geographisch begrenzten Gegend  Ostböhmen und Schlesien stammen und auf dieses eine (fiktive) Patzak-Paar von 1416 zurück zu führen sind, also miteinander verwandt sind; auch wenn sie heute in Amerika, Frankreich, Tschechien, Deutschland  oder Österreich leben und nichts davon (und voneinander) wissen. Bekannt war und ist meist nur eine Verwandtschaft bis maximal  zur 4. Generation davor, also bis zu den Ururgroßeltern.

Folgende Patzaks in der deutschen Wikipedia [2015-02-12] dürften  ihre Vorfahren in Ostböhmen oder Schlesien, meist im Kreis Trautenau haben, auch wenn das manchen (selbst in der Familie) unbekannt ist, und könnten daher verwandt sein:

  • Alfred Patzak (1931–2012), deutscher Diplomat
  • Bernhard Patzak (1873–1933), deutscher Kunsthistoriker
  • Franz Patzak (1680–1757), böhmischer Bildhauer (Barock und Rokoko)
  • Georg Patzak (1664–1742), böhmischer Bildhauer (Barock)
  • Julius Patzak (1898–1974), österreichischer Opern- und Liedsänger
  • Peter Patzak (*1945), österreichischer Filmregisseur, Autor und Künstler

Ein Nachweis der Verwandtschaft könnte gelingen, wenn man nur weit genug zurück forscht, etwa bis in das 15. Jahrhundert,  oder DNA-Analysen zur Hilfe nimmt.

Braucht es das? Nein – wir freuen uns, auch ohne eine genaue Verwandtschaft belegen zu können, über die grandiosen vor etwa 300 Jahren im Barock erbrachten und seit 30 Jahren wieder entdeckten Leistungen der ostböhmischen Bildhauer-Familie Patzak.

 

13. Reise zu den Barockbildhauern Patzak

[Die Einrichtungen zur Pflege des Fremdenverkehrs in Ostböhmen und Mähren sowie die Internetseiten der Städte  wie z. B. Politschka (č: Polička): Mährisch Trübau (č: Moravská Třebová), Trautenau  (č: Trutnov), Leitomischl  (č: Litomyšl) und   Unter-Augezd (č: Dolní Újezd) stellen, um Touristen zu werben,  die restaurierte Barockkunst der Patzaks heraus, aber auch bei kleineren Orten wie Schurz  (č: Žireč), Chlumek bei Lusche  (č:  Chlumek u Luže) oder Dubenetz  (č:  Dubenec)  ist Georg F. Patzak oder Franz Patzak  (č:  Pacák) zu finden.
Noch gibt es keinen Patzak-Reisevorschlag durch Ostböhmen und Mähren; jedenfalls sollte aber bei einer Reise berücksichtigt werden, ob nicht zum Beispiel auch in einem Barockkonzert in einer Barockkirche mit barocken Patzak-Statuen, am besten das Gesamtbild des Barocks erlebt werden könnte. (Dann ist die Kirche auch offen.) Das Kloster Kladrau hat solche Angebote parat, an der Statue des Hl. Wolfgang dürfte in der Braun-Werkstatt ein Patzak mitgewirkt haben. ]

14. Absicht dieser Zusammenstellung

Inzwischen gibt es schon zu den Schülern und Gehilfen in der Werkstatt des Georg Patzak Veröffentlichungen. Der auch in Prag wirkende Patzak-Lehrer Matthias Bernhard Braun  erfreut sich –  das zeigt die Durchsicht der gedruckten Reiseführer – großer Bekanntheit.  Beides  – allgemein zugängliche Veröffentlichungen und Bekanntheit –  fehlen  aber bis jetzt noch zu der Barock-Bildhauerfamilie Patzak.
Auf dieser Webseite sammeln wir Material für eine mehrsprachige Publikation, allgemeinverständlich und gemeinnützig, die wir, Patzak-Nachfahren aus dem Herrschaftsgebiet Schurz (das bis Trautenau reichte), erstellen wollen.
Sie wird nicht den Anspruch erheben, eine kunsthistorische Monographie zu sein, aber vielleicht kann sie anstoßen, dass Experten eine solche erstellen.

Sie will aber jetzt schon kunstsinnige, der Kultur verbundene und alle dafür offene Menschen aus vielen Ländern über diese europäische Kulturleistung des Barocks in Ostböhmen informieren, vielleicht sogar für Kunstwerke  begeistern, die lange Zeit aus ideologischen Gründen dem Verfall preisgegeben wurden und jetzt dabei sind, als Nationales Kulturdenkmal des freien Tschechiens renoviert und als UNESCO-Welterbe wieder entdeckt zu werden. Die Bilder und Erkenntnisse werden Neugier auslösen, mehr zu erfahren,  mehr zu erleben, nach Ostböhmen und Mähren zu reisen.

Dazu will die Publikation nicht einfach, einer Landkarte oder Zeitskala folgend, die ca. 80 Werke  aufzählen und schön abbilden. Abgesehen davon, dass es bei einem Werkstatt-Betrieb manchmal schwer ist, den wirklichen Schöpfer einer Skulptur zu ermitteln, geht es uns neben dem Werk auch um die Hintergründe, die verstehen lassen, wie es zu dieser herausragenden Barock-Bildhauerei in Böhmen kam, wie die Werkstätten europaweit verflochten waren, wieso einige dieser Kunstwerke verfallen mussten und auch jetzt weiterhin sehr gefährdet sind.

Daher greifen wir auch den Appell des Bürgermeisters von Dubenetz auf, das letzte grandiose Werk des Georg Patzak in seiner Pfarrkirche zu retten:

“… Der letzte Priester hat die Pfarrei im Jahre 1989 verlassen. Um die Kirche kümmert sich eigentlich keiner mehr, das Bistum in Königgrätz argumentiert, dass Dubenetz ein toter Pfarrbezirk sei und lehnt Investitionen in die Reparaturen der Kirche ab. Es ist eine große Schande, dieses Kulturdenkmal, in dem sich das letzte Werk von Georg Patzak : Jiří František Pacák) befindet, so untergehen zu lassen.” (Übersetzung: Karel Dolista, Prag;  aus “… Poslední kněz odešel ze zdejší farnosti roku 1989. O kostel se vlastně nikdo nestaral, Biskupství v Hradci Králové tvrdilo, že je zde mrtvá farnost a do oprav kostela odmítlo investovat. Je to velká škoda, nechat tuto památku, ve které je poslední dílo Jiřího Františka Pacáka, takto zničit.” [2015-02-12])

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Vorstellung der geplanten Publikation  beim 19. Münchner Bohemisten-Treffen am 6. März 2015 (Collegium Carolinum)

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