Der Name Honal

Johann Neumann hat für das Buch  „Tschechische  Familiennamen in Wien“ (veröffentlicht im Verlag  A. Holzhausen, Wien, 3. Auflage 1977) auf S. 70 zwei  Erklärungen für den Namen Honal  gefunden;  den Familiennamen „Honal“ gab es 1965,  im Basisjahr dieses Buches, im Wiener Einwohner -Verzeichnis 13 mal !
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1) Honal geht, wie auch Hanza, Hanzak, Hanzal,  Honcak, Honda, Hondl, Hones, Honka und  Honsa, zurück auf Hanuš und damit auf den  Personennamen Johannes, Hans (dazu dort  angegebene Quelle: S. 81 in „Česká jména osobní a rodová“ Prag 1940 und Beneš Josef,  Ergänzungen zu  O ceskych prijmenich„, Prag 1962). Diese Erklärung bestätigte mir auch Mgr. Kamil Petráň (Kladrau), der sich mit dem Kladrauer Bürgermeister Hans Honal (bis 1945) beschäftigt,  aus heute zugänglichen tschechischen Quellen.

oder:

2) Honal geht zurück auf das alt-tschechische Hoň oder hon (ein Fläche bestimmter Größe, wie  „ein Morgen“), so wie es auch u.a. im  Personennamen Hoňata oder Honata steckt (dazu  bei Neumann  angegebene Quelle: „Palacký František: Abhandlung „Popis staročeských osobních a křestních jmen.“ in der Zeitschrift des  Böhmischen Museums, Prag 1832)

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3) Eine vermutlich falsche Spur ist das tschechische Wort Hon (= Jagd) bzw. honit (= jagen); dagegen spricht:  Das Suffix -al in den  tschechischen Familiennamen steht für das  Perfekt Singular eines Verbs. So gebildete Namen beziehen sich auf ein auffälliges oder gewohnheitsmäßiges Verhalten des ersten Namensträgers, z.B. Dolezal, Doleschal aus tschechisch dolésat =  sich einschmeicheln, der sich ständig Einschmeichelnde; nicht eben schmeichelhaft. Ähnlich bei Badal (bádat =  forschen), Bouchal (bouchati =  pochen, schlagen), Dostal (dostat = bekommen), Potkal  (potkat = stoßen, treffen). ..und vielen Beispielen  bis…. Zaoral (zaorat = unterpflügen);  Zaoral ist daher einer, der oft alles unterpflügt   Alle diese Verben enden in der Grundform auf at.  Aber: honit = jagen hat das  Perfekt Singular honil und das ist nicht honat, daher  folgt Honal eher nicht einer entsprechenden Wortbildung aus  honit.

.Honositz Mai 2009

Also, es darf weiter über „Honal“ gerätselt  werden, auch über den Zusammenhang von Honal mit  Honositz (cz. jetzt Honezovice, früher  Honcovice bzw. Honosice) dem Geburtsort meines deutschböhmischen Großvaters Wenzel und vieler seiner Verwandten und Vorfahren in  Tschechien (acht Kilometer westlich der Stadt  Staab, cz. Stod) im Bezirk Pilsen-Süd. Dort  steht auf der  Homepage:   Jméno Honezovice = ves lidí Honezových. (Namen ..  = Dorf der Leute eines Honezových) –   naja …eher eines Honez.
Im Heimatbuch Kreis Mies steht zu Honositz (S. 418): Das Stammwort Honez leitet sich vermutlich von einem altslavischen Zeitwort mit dem Stamm „hon“ ab, das soviel wie „genesen, frei, erlöst werden“ (z. B. aus der Leibeigenschaft) heiße. Da dieses Wort im Tschechischen keine Unterstützung fand und da das Dorf eingedeutscht wurde, enthalten die Urkunden zahlreiche Varianten. 1115: Gonezouicich, 1654: Honnoschicz,  1789: Honositz, Honosowitz.

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Tote Honals 2. WK aus HonositzIm Ort Honositz  (heute ca. 200 E, im Jahr 2009 waren wir dort) lebten, sicher seit dem 17. Jhdt., zahlreiche Personen mit dem Namen Honnal /  Honal;  allein die Totenliste des 2. Weltkriegs  (1945, s. links) führt für Honositz sieben verschiedene  Honals auf.  Was vor dem 30-jährigem Krieg, der Honositz entvölkerte,  mit dem Namen Honal war, könnte vielleicht  das Archiv des im Jahre 1115 gegründeten Klosters Kladrau klären, das auch im Raum Honositz Land besaß;  immerhin lebten sicher um 1600 und  bis 1945 auch in Kladrau Familien mit dem Namen Honal.  Nach der tschechischen Ortschronik übergab am 6. Mai 1945  der deutsche Bürgermeister  Hans Honal Klaudrau der amerikanischen Armee.  Zur Zeit ist  Václav Honal [Aufruf 2014-04-03]  tschechischer Bürgermeister von Vlčtejn, südlich von Pilsen.

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Honal_70mal_in_D_verwandt-de_314Hier ist auf einer Website  die aktuelle  geografische Verteilung des Nachnamens Honal nach den Telefonbüchern in Deutschland zu sehen.  Die 5 häufigsten Vornamen zum Namen „Honal“ sind nach dieser Seite [23. Feb. 2017, nach 6 Jahren unverändert]:  Martin, Marianne, Christiane, Peter und Matthias. Hier mehr zu diesen  Verbreitungs-Karten. Im Reichstelefonbuch von 1942 gab es den Namen Honal nur einmal,  in  Bad Dürrenberg (Sachsen), Am 23. Feb. 2017  taucht der Name Honal in Tschechien 81 mal  (davon 38 mal Honalová) auf, in Österreich, bei der Suche mit herold.at und ähnlichem (Ort: Österreich), am 1. Mrz. 2014 nur 1 mal.

Ab Mitte des 19. Jhdts. findet sich der Namen „Honal“ auch in den USA, z. B. in den Volkszählungslisten. Da taucht im US-Bundesstaat Kansas ein im April 1843 in der Schweiz geborener Christian Honal auf [Quelle: United States Census 1900];  Louis Honal ist 1856 in Illinois geboren mit Eltern aus Deutschland [Quelle: United States Census, 1880]. Ein Ignatz Honal aus Böhmen starb am 18. Mrz. 1900 in Chicago [Quelle: Illinois, Cook County Deaths, 1878-1922].

Ein Leopold Honal aus Wien soll am 3. Mai 1904  mit der „Potsdam“ über Rotterdam im Alter von 24 Jahren in New York angekommen sein. Sein Name steht auf der „New York Passenger Arrival Lists (Ellis Island)“. In Wien verbliebene Honals sind dort auch begraben: Die Verstorbenen-Suche auf den Friedhöfen in Wien führt zu [17. Juli  2011] sechs Trägern des Namens „Honal“:  Alois , Hilda, Kurt, Margareta, Stephanie und  Wenzel. Auch in den Kirchenbüchern der Erzdiözese Wien, die Zug um Zug online gestellt werden, kommt häufig der Name Honal vor.

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Das Mädchen Claude Honal (*24 Jan 1625), Tochter des Jean Honal und seiner Frau Bastienne, wurde in der Kirche Saint-Jacques im lothringischem Lunéville (Meurthe-Et-Moselle, heute Frankreich) getauft [Quelle: France Births and Baptisms, 1546-1896].  Sebille Honal heiratete dort am 8.  Feb. 1594; ihr Vater hieß Nicolas Honal, der Bräutigam Jean Noe. Die Braut Nicole Honal heiratate am 9. Feb. 1621 auch in der Kirche Saint-Jacques auch in Lunéville  den Bräutigam Joseph Louis  [Quelle: France Marriages, 1546-1924].  Die Mikrofilme der lothringischen Urkunden habe ich eingesehen und abgelichtet. Kommen die deutsch-böhmischen Honals gar aus Lothringen oder umgekehrt? Oder haben diese beiden Honal-Zweige nichts miteinander zu tun? Eine französische Wortbildung „Honal“ ist, wegen des Anfangsbuchstabens H, sehr unwahrscheinlich. Ein leider sehr kurzer Stammbaum-Eintrag im Geneanet zeigt eine um ca. 1690 in Frankreich geborene Julienne Honal, die um 1710 Jean Bazin heiratete.

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In der Kirche Santa Maria in Masarach (Gerona, Spanien) heiratete  am 29.  Dez. 1727 die Braut Josepha Honal (Eltern: Baldiri und Catarina  Honal) den Pau Mallol. [Quelle: Spain Marriages, 1565-1950]
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In Ungarn (Paks im Komitat Tolna) wurde am 1. Mai 1845 das Mädchen Juli Honal (Vater Lasslo Honal u. Mutter Ruzsi Szalai) getauft;  vor ihr am gleichen Ort (auch katholisch) schon am 23. Sep. 1824 Theresia Honal (Vater Josephus Honal u. Mutter Theresia Mittler) [Quelle: Hungary Catholic Church Records].

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Honal_Perchten-Angerberg-Tirol_2015Der „Honal-Boarische“ den die Perthalers auf MC eingespielt haben, hat seinen Namen von dem Honal-Hof in Angerberg in Tirol, den heute die Familie Perthaler bewohnt. In diesem Ort gehört der „Honal-Pass“ zu den typischen Perchten; auch 2016 war am 5.Dez. unter13 Perchtenpassen der Honal-Pass dabei.  Die Kirchenbücher im Salzburg Archiv haben aber bisher nur eine etwas andere Schreibweise gezeigt: Honarl – also weiter  wälzen…

Rätsel geben auch die Honals in Spanien auf –  da will ich aber noch die Originale der Dokumente sehen.

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Die weitere Ausbreitung des Namens Honal quer über die Welt ist sehr wahrscheinlich, sicher, nach den oben genannten Beispielen, in Europa und den USA aber auch in Asien:  Rafael Honal (* 1912, Vater: Eleno Honal) heiratet am 4. Okt. 1930 in Jordan, Provinz Iloilo im Herzen der Philippinen seine Braut Circumsecion Ganugao [Quelle: Philippines Marriages, 1723-1957].

Wer viel reist, sollte gelegentlich in der Ferne in Telefonbüchern oder im Internet blättern – und überraschende Funde bitte mir weiterleiten an:  w.honal(ät)gmx.de

 

Honal-statt-Hönel_Druckfehler_1871_Linzer-Tages-PostWobei Telefonbücher und Urkunden sicherer sind als Zeitungen und Scans aus Büchern.

Dieser Ausschnitt einer Zeitung (Tages-Post) aus Linz  zeigt in einer Meldung aus Wien vom 8. Juni 1871 unbestreitbar den Namen „Honal“, der in Galizien, genauer in Biala evangelischer Pfarrer und Superintenent gewesen sein soll.

Der Wikipedia-Beitrag „Evangelische Superintendentur A.B.Galizien“ zeitg aber, dass ab 1871 dort ein Jacob Hönel dieses Amt auübte. Ein erfahrener Familienforscher Galiziens bestätigte am 5. Juli 2015 die Verwechslung von Honal, dieser Name ist in Galizien nicht bekannt, mit Hönel.

 

 

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